20 Jahre §177-Reform – Die halbe Geschichte eines Meilensteins

Unsere Robin hat wiedermal ein paar großartige Gedanken verfasst.
Diesmal zum 20jährigen Jubiläum einer Gesetzesänderung, die den Tatbestand der ehelichen Vergewaltigung betrifft.

Besonders hervorheben möchte ich ihren letzten Absatz.
Während sich „Männerrechtler“ im Brustton der Überzeugung auf die Fahnen schreiben, sich für Männerrechte stark zu machen, zeigt dieses Beispiel doch eher wiedermal, dass das Interesse dahingehend eher marginal ist, solange es deutlich wichtigere Aufregerthemen, sprich irgendwelche Feministinnen gibt, über die man sich echauffieren kann, oder man sich als Opfer derselben definieren kann. Wen interessiert da schon eine Gesetzesänderung, die auch Männer in ihrer sexuellen Selbstbestimmung trifft?

Aber lest selbst…

robins urban life stories

Vorgestern feierte meine Timeline das Jubiläum eines Meilensteins: Nach jahrelangem Ringen wurde am 15. Mai 1997 eine Reform des Paragraphen 177 (heute „sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung“) beschlossen. Gegen den Widerstand weiter Teile der CDU wurde damals der Begriff „außerehelich“ aus dem Gesetzestext gestrichen, womit Vergewaltigung in der Ehe nun endlich auch als solche justiziabel war. Dem voraus gingen endlose Debatten, die heute größtenteils schockierend und absurd anmuten und sich deshalb perfekt zu Demonstrationszwecken eignen – zeigt dies doch, wie hart einst für Rechte gekämpft werden musste, die uns heute selbstverständlich erscheinen, obwohl sie auf dem Papier noch gar nicht so lange existieren.

Ich war 12, als die Reform auf den Weg gebracht worden ist. Ich wusste damals nicht, dass Ehepartner bis dato vom Straftatbestand „Vergewaltigung“…

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Miteinander schlafen ohne zu vögeln

„Anne Nühm“ stellt in einem ihrer Texte die These auf, dass es ziemlich unmöglich (wahlweise auch „gemein“ oä) sei, mit einem Mann (oder einer Frau) sexlos eine Nacht in einem Bett zu verbringen, da man ja irgendwie immer davon ausgehen müsse, dass der oder die andere mehr wollen könnte und das irgendwie unfair wäre oder so. Schließlich wollen Männer ja immer Sex. Wenn sie gesund/hetero/antifeministisch/ungebunden sind und die Frau natürlich einigermaßen attraktiv ist.
(Die Schlußfolgerungen hinter dieses seltsamen Voraussetzungen lasse ich mal dezent unkommentiert. Lohnt nicht..)

Naja, jeder kann sein Geschlechterbild pflegen wie er mag. Ich halte jedoch Abstand davon, Männer auf reine Triebtiere zu reduzieren, die ständig vögeln wollen, aber das mag jeder beurteilen wie er will.

Mirias Kommentare kann ich in dieser Diskussion gut nachvollziehen und aus eigener Erfahrung bestätigen. Es ist selbstverständlich problemlos möglich, platonische Freundschaften zu Männern zu pflegen und sie auch bei mir zu Hause, und ja, sogar in meinem Bett schlafen zu lassen, oder selbst bei ihnen zu schlafen, ohne dass es Annäherungsversuche gibt. Wenn vorher die Fronten klar sind, sehe ich da überhaupt keine Probleme. Aber dazu ist es eben wichtig, miteinander zu kommunizieren. Wenn man allerdings auch der Meinung ist, dass Kommunikation irgendeine wie auch immer geartete Erotik killt, oder sich selbst für so geil und unwiderstehlich hält, dass man sich einbildet, jeder wolle mit einem vögeln, muß man sich über Mißverständnisse auch nicht wundern.

Wenn jemand heimlich Bedürfnisse hat, ist es allein sein Problem, wenn er nicht ehrlich sagt, was er wirklich will. Warum soll mich oder ihn das belasten oder gar ein schlechtes Gewissen machen? Jeder ist für sein Handeln verantwortlich, und wer sich freiwillig zu einem guten Freund oder Freundin ins Bett legt wenn er weiß, dass auf der anderen Seite kein sexuelles Interesse besteht, ist das allein die eigene Verantwortung des Einzelnen.

„Anne“ hingegen besteht darauf, dass es immer irgendwie um Sex geht und dass man darauf ja Rücksicht nehmen müsse, weil da ja was sein könnte!
Also ich weiß ja nicht, wer Lust und Nerven darauf hat, bei jeder Interaktion mit irgendeinem Menschen jedesmal mit dem Hintergedanken auf eventuell vorhandene sexuelle Wünsche Rücksicht zu nehmen, die er nicht zu kommunizieren in der Lage ist. Ich nicht. Wozu würde das nämlich letztlich führen? Dass man nicht mehr freundschaftlich und nett miteinander umgehen kann, weil man jedesmal befürchten muß, es könnten irgendwelche Begehrlichkeiten geweckt werden, die man nicht erfüllen will? Himmel hilf! Wer will so leben?

Allerdings kommentiert sie lustigerweise gleichzeitig folgendermaßen:

„Die meisten Männer (und Frauen ebenso) können jedoch ihr sexuelles Verlangen hinreichend gut kontrollieren, so dass der Wunsch nach Sex i.A. kein Problem für andere darstellt.“

Da frag ich mich doch, wo dann zur Hölle das Problem sein soll, wenn Mann und Frau nebeneinander in einem Bett schlafen, ohne sexuelle Hintergedanken.

mein Beitrag zu #Ostern: Einfluss, Sonderrechte und Machtanspruch der Kirchen

Da nun gerade an Ostern wieder die Diskussionen rund das Thema Religion, Glauben, Christentum etc gehäuft auftreten, will ich mal ein paar Gedanken dazu ordnen.

Und ich will vorwegschicken, dass ich mich hier recht religions-/kirchenkritisch äußern werde. Wer also befürchtet, dass Religionskritik – wohlbemerkt Kritik an institutioneller Religion, keine Glaubenskritik! – seine religiösen Gefühle verletzt, liest besser nicht weiter. Wobei es mir natürlich fernliegt, persönlichen Glauben zu verletzen.
Bin aber auch auf Gegenargumente gespannt.

Ich habe ein recht ambivalentes Verhältnis zur Religion.

Ich bin religionsfrei erzogen worden, und habe auch keine religiöse Schulbildung erhalten. Obwohl mich Ethikuntericht interessiert hätte, aber der wurde zu meiner Schulzeit nicht angeboten. Trotzdem kam ich in gewisser Weise mit Religion in Kontakt, da ich natürlich mit christlichgläubigen Menschen in meinem Umfeld aufgewachsen bin. Allerdings habe ich das eher in negativer Form in Errinnerung, da ich mich deutlich an eine Schulkameradin erinnere, die immer versucht hat, zu missionieren und mich das sehr genervt hat. Insofern war ich froh, dass ich sowohl in der Schule als auch im Elternhaus weitestgehend davon verschont blieb.
Das blieb auch Jahre später im Erwachsenenalter so und ich kann mich nicht errinnern, etwas vermisst zu haben. Etwas mehr beschäftigt hat mich das erst, seit ich in meinem Beruf zwangsläufig mit existentiellen, spirituellen und religiösen Themen und Fragen konfrontiert werde. Siehe dazu hier

Man kann also nicht sagen, dass ich dogmatischer Atheist sei, der Glauben grundsätzlich für phantastische Spinnerei hält. Im Gegenteil.

Womit ich aber ein großes Problem habe, ist die institutionelle Religion und deren Machtanspruch. Wenn ich an das gerade sehr aktuelle Beispiel des Tanzverbotes an Karfreitag denke, fällt mir sehr auf, wie stark die Kirchen in das Leben aller Menschen eingreifen, nicht nur bei Gläubigen. Ich lese immer wieder, dass man sich mal nicht so aufregen soll, dass man mal an einem Tag im Jahr nicht tanzen darf. Und wer tanzen will, der soll dann auch arbeiten.
Das halte ich für viel zu kurz gedacht. Denn es geht nicht ums Tanzen oder ums Arbeiten. Die Kirche erlaubt sich hier einen Eingriff in das Privatleben aller Menschen, die den Glauben überhaupt nicht teilen und denen es ketzerisch gesagt scheißegal ist, wer da warum vor 2000 Jahren gestorben ist.
Wobei das Gewese um das Tanzverbot ja tatsächlich eher eine Nebensache ist. Mich ärgert das eher prinzipiell, nicht weil ich unbedingt an diesem einen Tag tanzen muß.

Viel bedenklicher finde ich die Tatsache, dass die Kirchen jedes Jahr Staatsgelder in schwindelerregenden Höhen kassieren. Und das nicht etwa, um kirchliche Sozialarbeit zu unterstützen, sondern zB auch um ihre innerkirchlichen Amtsträger zu finanzieren. Gleichzeitig erlauben sich zB Diakonie und Caritas, die beiden größten konfessionellen Arbeitgeber nach dem Staat (natürlich auch zum größten Teil vom Staat finanziert) Sonderregelungen im Arbeitsrecht, die dem allgemeinen Gleichstellungsgesetz komplett widersprechen. Man denke nur an das Streikrecht oder die Diskrminierung homosexueller, geschiedener oder konfessionsfreier Mitarbeiter.
Siehe dazu hier oder hier

Kleine Tweetreihe dazu von mir, wo ich diese Gedanken versucht habe, in Kürze zusammenzufassen.

Ich habe im Zuge dieser Überlegungen natürlich auch Gegenargumente gehört und gelesen.

„Niemand muß der Kirche beitreten und Kirchensteuern zahlen. Alles freiwillig“

Der Kirchenbeitritt mag freiwillig sein. Aber wie oben belegt, finanziert JEDER steuerpflichtige Bürger die Kirchen zwangsweise mit. Von einem säkularen Staat, einer Trennung von Kirche und Staat sind wir also weit entfernt.

„Ohne die Kirchen wäre ein soziales Miteinander in Deutschland nicht möglich, denke man an die vielen ehrenamtlich Tätigen in den Gemeinden und sozialen Einrichtungen.“

Doch, wäre es. Aus finanzieller Sicht sowieso. Aber man muß auch kein religiöser Mensch sein, um sich für andere einzusetzen. Da reicht gesunder Menschenverstand und ein normales Maß an Empathie.
Es ist unbestritten, dass viele Menschen unverzichtbare Arbeit im Bereich der Kirchen leisten. Aber sollte man ihnen wirklich unterstellen dass sie das nur tun, weil sie an Gott glauben und auf ein ewiges Leben im Himmel hoffen? Ist es nicht wahrscheinlicher (oder wäre jedenfalls aus humanistischen Gesichtspunkten für sie zu hoffen), dass das einfach hilfsbereite Menschen sind, die auch ohne Kirchen sozial engagiert wären?

2. großes Problem, das ich nennen will, ist die Indoktrination und Manipulation von Kindern. Jeder Mensch muß seine Religion oder Nicht-Religion frei wählen können und ich halte es für grob fahrlässig, Kindern mit Märchen über Hölle und Teufel bewußt Angst zu machen, wenn sie sich nicht an diese oder jene Regeln halten. Natürlich obliegt es der Erziehungsfreiheit der Eltern, ihre Kinder gemäß ihres Glaubens zu erziehen, aber gezielt mit Angstbildern zu arbeiten, halte ich für eine infame Strategie der Kirchen, um ihre Macht zu festigen.
Daher halte ich auch den Religionsunterricht an Schulen für verzichtbar und stattdessen einen Ethikunterricht, der sich undogmatisch und vorurteilsfrei mit allgemeinen Fragen um Religionen und Weltanschauungen befasst, für wesentlich sinnvoller.

3. Problem: Vom Frauenbild in den Kirchen will ich gar nicht erst anfangen…

(PS. Ich hoffe, ich bin damit niemandem persönlich auf die Füße getreten.)

#SongsgegenNazis

Hier mal eine schöne Liste an „Rock gegen rechts“- Videos bzw Liveauftritten. Unabhängig von einzelnen Musikgenres. Abgefahren, trashy, rockig, cool, wütend, chillig, oder witzig. What ever you like. Viel Spaß.

Jennifer Rostock – AfD

Konstantin Wecker – Sage nein!

Tobias Mann & Caroline Kebekus – schöne rechte Frau

Abstürzende Brieftauben – Nie wieder Pegida

Frodoapparat & TheClavinover – Hitler im Hirn

Terrorgruppe – Schlechtmensch

Neonschwarz – 2015

Caroline Kebekus – Wie blöd du bist

Die toten Hosen, Rock am Ring 2015 – Willkommen in Deutschland

Heiter bis Wolkig – Pegidamann

Irie Révoltés – Jetzt ist Schluss

Kraftklub – Schüsse in die Luft

Die Ärzte – Schrei nach Liebe live

Nosliw – „Nazis Raus!“

DONOTS – Dann ohne mich

Herbert Grönemeyer – Die Härte

Hey Mr. Nazi

Sookee feat. Spezial K – Spuck auf Rechts

Extra 3 Neonazi Song

Ups. Ist lang geworden. Gut so. Kann gern länger werden. 🙂

#EqualPayDay und „Frauenberufe“

Zum gestrigen Equal Pay Day sei auf einen großartigen Text von Aufrecht pflegen verwiesen, der es Wert ist, in Gänze zitiert zu werden, denn er weist auf ein Phänomen hin, das mich in seiner Unlogik immer wütend macht.

Equal Pay und die sogenannten Frauenberufe

Es ist wieder Equal Pay Day. Die Zeit im Jahr, in der wir Vorschläge diskutieren, wie die Lohnschieflage in Deutschland ausgeglichen werden kann.

Scherz! Natürlich werden wir wieder darüber diskutieren, OB es sich bei der allgemein bekannten Schieflage überhaupt um ein Problem handelt. Denn solange etwas gerechtfertigt werden kann, ist es keine Diskriminierung.

Ein Rechtfertigungsgrund für den Gender Pay Gap ist unter anderem die Berufswahl von Frauen. Denn würden Frauen sich nicht immer die falschen Berufe aussuchen, wäre die Lohngleichheit gar nicht so groß. Zu diesen Berufen gehören unter anderem soziale Berufe wie Pflegerin und Erzieherin. Und man wird nicht müde, in Equal-Pay-Diskussionen von genau diesen Berufen abzuraten. Und das trotz des derzeitigen Fachkräftemangels, der schon jetzt zu Problemen führt, einfach weil diese Berufe Tätigkeiten ausführen, die sowohl für den Einzelnen, als auch für die gesamte Gesellschaft notwendig und wichtig sind.

Und doch greifen in diesen Berufen die Angebot-Nachfrage-Mechanismen nicht. Was unter anderem auch damit zu tun hat, dass soziale Berufe meist in irgendeiner Form aus öffentlicher Hand bzw. dem Sozialsystem bezahlt werden und diese Ressourcen nicht unendlich sind. Das ist aber nicht der einzige Grund, schließlich gelten nicht alle Berufe im öffentlichen Dienst als schlecht bezahlt.

Ein weiterer Faktor ist, dass man die Tätigkeiten der Pflegerinnen und Erzieherinnen fachlich nicht als besonders anspruchsvoll bewertet. Erzieherinnen spielen und singen mit den Kindern, Pflegerinnen wischen Ärsche ab und geben Essen ein. Und Menschen, die nicht in diesen Berufen arbeiten, können sich offenbar kaum vorstellen, dass hinter einfachen Handgriffen komplexe theoretische Konzepte stecken, die dann aber auf eine einzelne Person mit individuellen Anforderungen angewandt und zugeschnitten werden müssen. Stattdessen glaubt man, dass diese Tätigkeiten irgendwie in der Natur von Frauen liegt und gebt ihnen den Stellenwert von Wohltaten: Nett, aber nicht notwendig.

Und dann ist da noch die weit verbreitete Vorstellung, dass es den Menschen in diesen Berufen nicht ums Geld ginge. Gerade der Pflege wird ja gerne eine ordentliche Portion Altruismus unterstellt, deren größter Lohn ein Lächeln und ein Dankeschön ihrer Patient*innen ist. Fast schon anerkennend verweist man immer wieder darauf, dass die Pflegenden (momentan) nicht mehr Lohn, sondern vor allem bessere Arbeitsbedingungen fordern. Anders sah es im Sommer 2015 aus, als flächendeckend Kitas bestreikt wurden – da verbreitete sich, neben der Wut über die Bedrängnis der Eltern, sehr schnell die Auffassung, dass Erzieherinnen eigentlich sogar überbezahlt wären.

In den Diskussionen über Equal Pay und Gender Pay Gap wird gerne und viel darüber gesprochen wie man Frauen in MINT-Berufe und Führungspositionen bringt. Was einerseits natürlich gut und richtig ist, aber andererseits auch das Bild der seichteren anspruchslosen Sozialberufen zementiert. Es braucht daher genauso Diskussionen darüber, wie Berufe in denen sehr viele Frauen tätig sind (und das sind übrigens nicht nur Sozialberufe) besser bezahlt werden, anstatt die niedrigen Löhne dort als gegeben hinzunehmen. Und dies wäre übrigens nicht nur ein Selbstzweck, schließlich geht es auch darum wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen und wieviel uns die Unterstützung und Förderung der Schwächeren in unserer Gesellschaft ist.

(Jeder Satz darf als hervorgehoben betrachtet werden)

Unlogik deswegen, weil regelmäßig, wie im Text betont, immer wieder das „Argument“ vorgebracht wird, warum Frauen sich die „falschen“ Berufe aussuchen, in denen sie weniger verdienen, und man sich gleichzeitig darüber wundert, warum diese Berufe so unattraktiv sind, dass wir einen massiven Fachkräftemangel zu beklagen haben.

Mit anderen Worten. Wer Frauen (und natürlich auch Männern) einredet, soziale Berufe seien eine „falsche Wahl“, trägt Mitschuld daran, dass unser gesamtes Gesundheits- und Pflegesystem noch weiter den Bach runtergeht. Angesichts der Tatsache, dass das Problem jeden irgendwann treffen wird, geradezu idiotischer Selbstmord. Statt also aus reiner Unwissenheit Mythen darüber zu verbreiten, dass „falsche Berufswahl“ Schuld an ungerechter Entlohnung sei, lieber darüber informieren, was soziale Berufe im Kern ausmachen und dafür kämpfen, dass sie so bezahlt, und in Folge dessen so attraktiv für BewerberInnen werden, dass es möglich ist, sie fachgerecht und menschenwürdig ausüben zu können.

#Blogparade – Kampf dem #Herztod

Ende letzten Jares gab es auf dem Blog Alltag im Rettungsdienst einen Blogaufruf, wo darum gebeten wurde, etwas zum Thema zu schreiben.

Inzwischen sind bereits einige tolle und informative Artikel erschienen. Und ich möchte hiermit meinen Senf draufschmieren. Nicht weil ich Betroffene bin, oder breitgefächerte Erfahrungen aus dem Rettungsalltag beisteuern kann, sondern weil ich festgestellt habe, dass ein Aspekt zum Thema Herzinfakt in meinen Augen bisher viel zu kurz gekommen ist.

Der Herzinfarkt galt lange als reines Männerproblem. Und wenn wir „Herzinfarkt“ hören, denken wir immer noch zuerst an Brustschmerzen, Atemnot, Ausstrahlung in andere Körperbereiche und kalten Schweiß. Ja, das sind typische Symptome, bei denen sofort reagiert werden muß, sprich Notruf absetzen. Es gibt aber auch eine Reihe ernstzunehmende unspezifische Symptome, die Frauen häufiger betreffen.

„Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch
Ein Herzinfarkt kann sich auch alleine mit so genannten „unspezifischen Anzeichen“ bemerkbar machen, was bei Frauen etwas häufiger vorkommt als bei Männern. Zu unspezifischen Anzeichen zählen z. B.: Übelkeit, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen. Da solche Beschwerden auch bei anderen harmloseren Erkrankungen auftreten können, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung immer dann den Notarzt zu rufen, wenn diese unspezifischen Beschwerden in zuvor noch nie erlebtem Ausmaß auftreten. Möglicherweise steckt dann ein Herzinfarkt dahinter.“

Auch „Rücken- oder Nackenschmerzen, Kiefer- und Halsschmerzen sowie Übelkeit und das Gefühl der Erschöpfung“ können bei Frauen Anzeichen eines Herzinfarkes sein.
Das für Männer typische Stechen in der Brust kommt bei Frauen also häufig gar nicht vor.

Wenn Symptome falsch gedeutet werden, bedeutet das, dass Menschen in Lebensgefahr kommen können. Wichtig und lebensrettend ist also, auch vermeintlich harmlose Symptome ernstzunehmen.
Wichtig sind natürlich auch die Risikofaktoren. Neben den bekannten Ursachen wie Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht ist auch die Pille bei Frauen ein Faktor, der einen Herzinfarkt begünstigen kann.

Der Herzinfarkt ist kein Männerproblem. Er gehört auch bei Frauen zu den häufigsten Todesursachen. Bei Frauen über 60 sogar häufiger als bei Männern. Also ist mein dringendes Anliegen, auch unspezifische oder untypische Symptome unbedingt ernst zu nehmen. Es könnte auch mal euer Leben retten.

Perspektivenwechsel

Im Geschlechtermatschblog ist heute ein Text erschienen, den ich ausnahmsweise mal hochinteressant finde, und daher auch mal als Lesetipp verlinke.
User Graublau berichtet aus seiner persönlichen Perspektive über seine Sicht auf die Entwicklung der Männerrechtler“szene“, die ich gar nicht verkehrt finde. Warum? Weil ich beim Lesen ein heftiges Dejavu hatte und deutliche Parallelen zu meinen eigenen Erfahrungen in der #Aufschrei-Diskussion gesehen habe.

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Antifeministische Heuchelei: Austeilen und Einstecken

Manchmal stöbere ich aus reiner Langeweile in antifeministischen Blogs herum. Einfach aus Neugier, welcher Unsinn mal wieder verbreitet wird, welche profeministischen Äußerungen von welcher Person auch immer diesmal im Fadenkreuz des Bashens stehen, welches ad personam- Getrolle mal wieder verteilt wird und welche Strohmänner mal wieder abgefackelt werden. Und natürlich werde ich dabei selten enttäuscht.

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„Was wär das geil, wenn man unbequeme Männer einfach mit einer Falschbeschuldigung beseitigen könnte“

Die antifeministische Blogwelt dreht wieder mal durch. Wer war diesmal daran schuld? Margarete Stokowski, die in ihrer Spiegelkolumne eine Antwort auf das Kachelmann-Interview der Taz gegeben hat.

Aber von vorn. Was ist passiert?

Kachelmann stellte in seinem Taz-Interview eine abenteuerliche Behauptung auf, nämlich, dass eine „Falschbeschudigung ein perfektes Verbrechen sei, um einen Mann aus dem Weg zu räumen, ohne selbst ein Risiko einzugehen.“

Darauf kann man nun auf diverse Arten reagieren.

Man kann es machen wie Margret, die in ihrem Blog diese Aussage schon gut auseinandergenommen hat.

Man kann es ignorieren, gut finden, den Kopf schütteln und sich fragen, welche Drogen Kachelmann genommen hat.

Oder man kann es machen wie Margarete Stokowski, die diese Aussage für bare Münze genommen, und schlicht logisch und folgerichtig weitergesponnen hat, um zu sehen, wo solche Gedankenverrenkungen hinführen können. Und sie kam zu der provokanten Frage: „Wenn es so wäre: Was hindert uns?“

Aua, da war was los! Sie würde „Straftaten begrüßen“, und sie sogar „empfehlen“, hieß es in mehreren Reaktionen.

Wie man darauf kommt, ist mir völlig schleierhaft, wenn man versteht, worauf Stokowski ihren Text bezieht. Sonst wird doch immer soviel Wert auf Kontext gelegt, in dem man eine Aussage, so bescheuert sie auch sein mag, sehen muß. Warum klappt das hier nicht? Es wird nur gelesen: „Was wär das geil, wenn man unbequeme Männer einfach mit einer Falschbeschuldigung beseitigen könnte“. Und natürlich kann das ja nur mega ernst gemeint sein und ist damit wieder ein krasser Beweis für … was auch immer.

Auf die Idee, dass Stokowski Kachelnmanns irrwitzige Behauptung durch konsequentes Weiterdenken völlig ad absurdum führt, kommt keiner?

Na sowas.

Feminismus und die Schönheit weiblicher Lust: #HystericalLiterature

Clayton Cubitt heißt der Erfinder des Videoprojektes „Hysterical Literature“, bei dem Frauen dabei gefilmt werden, wie sie aus einem Buch vorlesen und dabei – unsichtbar für den Zuschauer – sexuell stimuliert werden, bis sie zum Orgasmus kommen. Das Irritierende und gleichzeitig Schöne dabei ist, dass man nichts sieht außer der Mimik der Frauen bei steigender Erregung.

„Die Vorleserin sucht sich ihr Lieblingbuch aus, zieht an, worin sie sich wohl fühlt, setzt sich an einen Tisch und beginnt vorzulesen. Cubitt filmt in schwarz-weiß mit. Auf den ersten Blick wirkt alles sehr bieder, fast fade. Doch die Leserinnen reagieren ungewöhnlich. Nach einigen Sekunden oder Minuten werden sie unruhig, beginnen zu kichern oder verlieren den Faden beim Lesen. Der Grund: Unter ihrem Tisch sitzt jemand, der sie mit einem Vibrator ablenkt, bis sie zum Orgasmus kommen. Das sieht der Zuseher freilich nicht, er sieht nur das Ergebnis des Ablenkungsmanövers im Gesicht und der Körpersprache der Frau.“
http://www.heute.at/freizeit/szene/50-Mio-Klicks-Frauen-haben-beim-Lesen-Orgasmus;art23668,1139303

Mit herkömmlicher Pornografie hat das nichts zu tun, denn „in der kommerziellen Pornografie sind oft Schnelligkeit, Extreme und Effekthascherei wichtiger als der subtile Blick auf die weibliche Sexualität.

Die Darstellung der Frauen ist, anders als im Porno, nicht objektivierend, da hier weder der Körper noch die Penetration der Frau gezeigt wird. Schlicht ihre Mimik, ihre Reaktion und ihre Lust werden erforscht: „It explores feminism, mind/body dualism, distraction portraiture, and the contrast between culture and sexuality. (It’s also just really fun to watch.)“, schreibt der Künstler selbst über seine Arbeit.“
http://zeitjung.de/clayton-cubitt-hysterical-literature-vorlesen-orgasmus-video/

Was das ganze mit Feminismus zu tun hat, ist recht einleuchtend, wie ich finde, und wird im obigen Zitat deutlich. Weibliche Lust – und zwar natürliche, echte – steht im Fokus. Keine Akrobatik mit Großaufnahmen aller Löcher, kein künstliches Gequieke und Gegrunze, keine plastikartigen Kunstpuppen, kein Abspritzen und fertig. Nur originale weibliche Lust. Ist das nicht schön? 🙂