#Pflege: #Religionskritik

Nicht nur das Thema Feminismus hängt meiner Überzeugung nach eng mit dem Thema Pflege zusammen, auch das Thema Religionskritik.

Um das zu verstehen, muß man etwas in die Geschichte ausholen, und berücksichtigen, dass es früher ausschließlich Nonnen waren, die Pflegearbeit verrichtet haben. Daher kommt auch die Bezeichnung der „Schwester“, die nicht aus den Köpfen zu kriegen ist, auch wenn die offiziellen Berufsbezeichnungen längst andere sind. Altenpfleger hießen schon immer Altenpfleger, aber auch die Krankenschwestern heißt nicht mehr Schwestern, sondern Krankenpfleger. Der Begriff der „Schwester“ stammt also noch aus Zeiten, als sich Kirchenfrauen mit altruistischem Eifer und zum vergelts Gott-Tarif um Alte und Kranke gekümmert haben.

Sprache und Denken unterliegt permanentem Wandel, aber es dauert immer eine gewisse Zeit, bis das auch in den letzten Kopf eingedrungen ist.

Ich habe jetzt persönlich kein größeres Problem damit, wenn ich „Schwester“ genannt werde. Den demenzkranken Pflegebedürftigen kann man daraus ohnehin keinen Vorwurf machen.

Ich rege mich über ganz andere Dinge auf.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland erheben einen gewaltigen Anspruch darauf, „im Namen Gottes“ so wahnsinngig viel Gutes zu tun. In ihrem Namen werden unzählige soziale Einrichtungen geführt.
Über der Tür steht „katholisch“ oder „evangelisch“ und jeder meint, im Schoß der Kirche gut aufgehoben zu sein.

Die Realität ist aber eine andere.

Es ist das eine, dass man als Mitarbeiter einer kirchlich geführten sozialen Einrichtung selbst Mitglied einer Kirche sein muß und Geschiedene und Homosexuelle diskriminiert werden, sogar jede Putzfrau muß einer Kirche angehören.

Das allein ist schon Aufreger genug. Aber noch viel schlimmer finde ich die Tatsache, dass diese kirchlich geführten Einrichtungen nur zu einem geringen Bruchteil auch von der Kirche finanziert werden. Der weitaus größte Teil (über 90%) wird aus öffentlicher Hand finanziert. Jeder (auch konfessionslose) Steuerzahler bezahlt also dafür, dass kirchliche Einrichtungen ihre eigenen Gesetze haben, die über dem Staat stehen und gegen das allgemeine Gleichstellungsgesetz verstoßen. Näheres dazu hier.

Pflege ist keine altruistische Dienstleistung, die für Gottes Lohn von jedem Menschen mit ein bisschen Herz verrichtet werden kann, sondern eine qualitativ hochwertige Profession, die nicht grundlos höchste Ansprüche hat.
Deswegen ist in höchsten Maß kritikwürdig, wenn qualifizierte BewerberInnen nur aufgrund fehlender Konfession abgelehnt werden.

Das ist einer der Hauptgründe dafür, warum ich nicht für einen kirchlichen Träger arbeiten würde. Meine Arbeitskraft, meine Kompetenz, meine Erfahrung nicht einer Einrichtung zur Verfügung stellen würde, die sich auf die Fahnen schreibt, im Namen der Kirche soziale Dienste zu verrichten und eigene Gesetze hat, sich aber fast ausschließlich vom Staat bezahlen lässt.
Das ist ungefähr so logisch und gerecht, als würde man Alkoholabstinenzler zwingen, den Alkoholikern den Schnaps zu bezahlen.

Von mir aus sollen Kirchen ihre eigenen Gesetze haben und nach eigenen Regeln leben. Aber dann sollen sie sich auch bitte schön gefälligst selbst finanzieren und ihre Gesetze nicht auf alle anderen überstülpen. Solange diese Ungerechtigkeit und Unlogik besteht, kann man nur jedem davon abraten, sich in den Dienst einer konfessionellen Einrichtung zu begeben. Kein Streikrecht, kein Betriebsrat, diskriminierende Einstellungspolitik, kein Tarifrecht. Und das bei den desolaten Zuständen in so ziemlich jeder Pflegeeinrichtung. Also bitte…

#HolocaustMemorialDay #Auschwitz #NieWieder

Anlässlich des heutigen (oh fuck, gestrigen, ist spät geworden…) Gedenktages der Opfer von Auschwitz vor 71 Jahren, und parallel dazu des erschreckend aufkeimenden Rassismus in der Gesellschaft und der Politik, besonders hinsichtlich der Flüchtlingsdebatte hier die komplette Rede des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und der Gastrednerin Ruth Klüger, einer Holocaust-Überlebenden. Möchte nicht viel dazu sagen. Außer meiner Verachtung und meines Ekels diesen unverbesserlichen Leuten gegenüber, die es offenbar total witzig und ok finden, die Vergasung von Flüchtlingen zu fordern, Ausdruck zu geben…
Ich möchte von dem Dreck nichts verlinken, mit 2 Minuten Recherche kann sich jeder selbst vom rassistischen Hass überzeugen. Hört und seht euch lieber die Bundestagsrede an.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2654852/Holocaust-Gedenken-im-Bundestag

Zum nachlesen gibt die Rede von Ruth Klüger auch:

„Der Winter von 1944/45 war der kälteste Winter meines Lebens und blieb sicher unvergesslich für alle, die ihn damals im kriegserschütterten Europa erlebten. Ich bin jetzt 84 Jahre alt und war damals gerade erst 13 Jahre alt geworden, aber auch die vielen anderen Winter, die noch folgen sollten, waren für mich nie wieder so kalt wie dieser letzte Kriegswinter.

Kälte, der man hilflos ausgesetzt ist, bleibt für mich auf immer verbunden mit Zwangsarbeit im Frauenlager Christianstadt, ein Außenlager des KZ Groß-Rosen in Niederschlesien, wie es damals hieß. Heute liegt der Ort in Polen.

Bei Zwangsarbeitern denkt man an erwachsene Männer, nicht an unterernährte kleine Mädchen. Aber ich war nicht bemitleidenswert, im Gegenteil, ich hatte großes Glück gehabt und war stolz darauf. Denn es war mir gelungen, mich im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im Sommer 1944 – das war eine Saison, in der die Gaskammern und Kamine auf Hochbetrieb liefen – in eine Selektion einzuschmuggeln, die arbeitsfähige Frauen im Alter von 15 bis 45 Jahren zum Kriegsdienst auswählte.

LÜGE Ich hatte mich in eine Warteschlange gestellt und auf die Frage eines SS-Manns mein Alter – damals noch zwölf Jahre – als 15 angegeben. Eine sehr unwahrscheinliche Lüge, denn ich war nach fast zwei Jahren Theresienstadt unterernährt und unentwickelt. Die Lüge war mir von einer freundlichen Schreiberin, ein Häftling wie ich, fünf Minuten früher eingeflüstert worden, und ich hatte sie tapfer wiederholt.

Der SS-Mann betrachtete mich und meinte, ich sei aber sehr klein. Die Schreiberin behauptete kühn, ich hätte starke Beine: »Sehen Sie doch nur, die kann arbeiten!« Er zuckte die Achseln und ließ es gelten. Einem Zufall von Minuten und einer gütigen Frau verdanke ich mein Weiterleben, denn der Rest des Transports von Theresienstadt, mit dem ich gekommen war, wurde in den nächsten Tagen vergast. Wir Ausgewählten wurden in Waggons verfrachtet und ins Arbeitslager verschickt.

Die ersten Tage in Christianstadt waren für mich der Inbegriff von Erleichterung, um nicht zu sagen Glück. Es war warm, es gab Gras und Bäume im Wald, die Luft war klar, eine Wohltat nach dem kadaverartigen Dunst, der in Auschwitz, von den Kaminen ausgehend, über dem Lager hing. Vor allem war die Todesangst vorbei.

Die positiven Gefühle dauerten jedoch nicht lange. Es wurde nass, dann sehr kalt. Wir wurden morgens durch eine Sirene oder Pfeife geweckt und standen im Dunkel Appell. Stehen, einfach stehen, ist mir noch heute so widerlich, dass ich manchmal aus einer Schlange ausscheide und weggehe, wenn ich schon fast dran bin, einfach weil ich keinen Augenblick länger in einer Reihe bleiben möchte.

WIDERSTAND Wir bekamen eine schwarze, kaffeeartige Brühe zu trinken, eine Portion Brot zum Mitnehmen, und marschierten in Dreierreihen zur Arbeit. Neben uns lief eine Aufseherin, die uns mit ihrer Pfeife im Gleichschritt halten wollte. Alles Pfeifen nützte nichts, den Gleichschritt haben wir trotz des Ärgers der Aufseherinnen nicht gelernt. Es freute mich in meinem kindlichen vorfeministischen Widerstand, dass man jüdische Hausfrauen nicht veranlassen konnte, im Schritt zu gehen. Wir waren nicht aufs Marschieren gedrillt worden. Männer konnte man leichter dazu trainieren.

Die Mehrzahl der Frauen, darunter auch meine Mutter, arbeitete in einer Munitionsfabrik, zusammen mit verschleppten Franzosen, Männern, die besser ernährt wurden als wir, weil sie für diese Arbeit besser ausgebildet und daher wertvoller waren. Dafür konnten sie auch besser Sabotage treiben. Wenn sie grinsend zu den Frauen geschlendert kamen, so konnte man sich darauf verlassen, dass sie eine Maschine stillgelegt hatten, indem sie die richtigen Schrauben lockerten oder sonstwas Unauffälliges anstellten, das die Deutschen erst finden und richten mussten. Sklaven- oder Zwangsarbeit hat ihre Tücken, und für die Nazis ist wohl oft weniger dabei herausgesprungen als sie ursprünglich am Reißbrett errechneten. Leider immer noch zu viel.

Genau gesehen ist Zwangsarbeit insofern schlimmer als Sklavenarbeit, weil der leibeigene Sklave einen Geldwert für seinen Besitzer hat, den dieser verliert, wenn er den Sklaven verhungern oder erfrieren lässt. Die Zwangsarbeiter der Nazis waren wertlos, die Ausbeuter konnten sich immer noch neue verschaffen. Sie hatten ja so viel »Menschenmaterial«, wie sie es nannten, dass sie es wortwörtlich verbrennen konnten.

Und erst die Frauen! Die konnten ja nicht einmal so gut arbeiten wie die Männer. Manche Männer, wie die eben erwähnten Franzosen, waren ausgebildet in Berufen, die für den Kriegseinsatz brauchbar waren. Doch die Frauen? Man konnte sie ruhig bis zum Verhungern ausnützen. Fast niemand im Lager menstruierte, dazu braucht’s ein gesünderes Leben. Sie hatten fast nichts zu bieten als ihre beschränkte Geschicklichkeit und die verminderte Körperkraft der Hungernden.

MAUTHAUSEN Ich sage »fast«, denn etwas können Frauen doch ausüben, was man als einen weiblichen Beruf bezeichnet hat, nämlich die Prostitution. In manchen Konzentrationslagern für Männer, darunter das KZ Mauthausen – das mit seinen Dutzenden Außenlagern mein Geburtsland Österreich wie der Emmentaler mit seinen Löchern überzog – gab es »Sonderbaracken«, wo Frauen, die hauptsächlich im Frauenlager Ravensbrück rekrutiert wurden, gewissen bevorzugten Häftlingen zur Verfügung standen.

Die Frauen waren in ständiger Gefahr, krank oder schwanger zu werden, durch einen serienmäßigen Geschlechtsverkehr, der je höchstens 20 Minuten dauern durfte, während draußen vor der Baracke schon eine Schlange wartender Männer stand. Das ist nicht eine »Arbeit«, die man sich freiwillig aussucht, wie den missbrauchten Frauen nach Kriegsende manchmal zynisch vorgeworfen wurde. Die Prostituierten wurden später auch nicht als Zwangsarbeiter eingestuft, und sie hatten keinen Anspruch auf Restitution oder erhoben keinen Anspruch darauf. Wenn wir heute hier der Zwangsarbeiterinnen von damals gedenken, so müssen wir sie miteinschließen.

Zurück zu meiner eigenen Geschichte. Beim Roden und Schienenlegen hatten wir öfters Kontakt mit deutschen Zivilisten, die auch unsere Vorarbeiter waren. Einmal saß ich in einer Pause auf einem Baumstamm neben einem dicken, vierschrötigen Mann, der mich angesprochen haben muss, denn aus eigenem Antrieb hätte ich mich nicht neben ihn gesetzt.

Er war neugierig, es war klar, dass ich nicht in die Vorstellungen passte, die man sich von Zwangsarbeitern machte. Ein schwarzhaariges, verhungertes Sträflingskind, das aber einwandfreies Deutsch sprach, noch dazu ein Mädchen, ungeeignet für diese Arbeit, eine, die in die Schule gehörte. Wie alt ich denn sei, fragte er. Ich beantwortete seine Fragen mit äußerster Zurückhaltung, denn nichts lag mir ferner, als mich mit einem fremden Deutschen aufs Glatteis zu begeben.

SCHAUERMÄRCHEN Er hingegen erzählte mir, auch die deutschen Kinder gingen jetzt nicht mehr zur Schule, sie würden alle eingezogen. In seiner Erinnerung, stelle ich mir vor, war ich auch nach dem Krieg eine kleine Jüdin, der es gar nicht so schlecht ging, denn sie hat keine Schauermärchen erzählt, obwohl er sie in seiner aufmunternden Art geradezu aufforderte, über ihr Leben zu plaudern. Und Angst hatte sie auch keine, sonst hätte sie nicht so frisch von der Leber weg geredet. Und vielleicht benutzt er unsere Begegnung als einen Beweis, dass es den Juden im Krieg nicht schlechter ging als anderen Leuten auch. (…)

Das Lager Christianstadt wurde Anfang 1945 aufgelöst und die Häftlinge in ein weiteres, nämlich nach Bergen-Belsen, überführt. In den ersten paar Tagen ging der Transport zu Fuß, dann wurde er in einen Zug verladen, wie ich nach dem Krieg erfuhr. Denn da waren wir nicht mehr dabei. Meine Mutter, meine Freundin Susi und ich sind am zweiten Abend, als wir noch im Freien waren und es dunkel wurde, geflohen – und haben überlebt. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Jahrzehnte später in Göttingen höre ich einem Mann im Rentneralter zu, wie er sich in Schmidts Drogerie-Markt den Mund über die »schmarotzenden Ausländer« zerreißt. »Die Ausländer, die sollt’ man vergasen und die Politiker gleich dazu«, meinte er. Der Satz trifft mich wie ein Schlag. Ich schau hin zu ihm, schätze sein Alter, ja der ist alt genug, der könnte damals Aufseher im Lager gewesen sein. »Solche Sprüche!«, sag ich beklommen zu ihm, wir sehen uns in die Augen, Freunderl, wir kennen uns. Da sagt er mit festem höhnischem Blick: »Ja, ja, Sie haben schon richtig gehört.«

Wenn die deutsche Zivilbevölkerung später beteuerte, sie hätte nichts über den Massenmord gewusst, so kann man sich darüber streiten, ob das stimmt, doch die massenhafte Ausbeutung durch Zwangsarbeit war sehr wohl bekannt. Viele Jahre später, als ich oft in Deutschland war und auch wieder viele Freunde hier hatte (und noch habe), stieß ich gelegentlich auf Menschen, deren Familien Zwangsarbeiter während der Nazizeit im Hause hatten.

AUSFLÜCHTE Meine Freunde erinnerten sich an diese verschleppten Menschen mit Behagen und großer Zuneigung. Die hatten es gut bei uns. Die haben mit uns Kindern gespielt und gelacht und gesungen. Die wohlmeinenden Erzähler wussten nicht, oder wollten nichts wissen, von der wachen Zurückhaltung, dem Misstrauen, der Verachtung, der Über- oder Unterschätzung des Feindes, die in diesen unbezahlten Haushaltshilfen gesteckt haben muss. (…)

Verehrtes Publikum, ich habe jetzt eine ganze Weile über Versklavung als Zwangsarbeit in Nazi-Europa gesprochen und Beispiele aus dem Verdrängungsprozess nach 1945 zitiert. Aber eine neue Generation ist seither hier aufgewachsen, und dieses Land, das vor 80 Jahren für die schlimmsten Verbrechen verantwortlich war, hat heute den Beifall der Welt gewonnen, dank seiner geöffneten Grenzen und der Großzügigkeit, mit der Sie Flüchtlinge aufgenommen haben. Ich bin eine von den vielen Außenstehenden, die von Verwunderung zu Bewunderung übergegangen sind.

Das war der Hauptgrund, warum ich die Gelegenheit wahrgenommen habe, in Ihrer Hauptstadt über die früheren Untaten sprechen zu dürfen, hier, wo ein gegensätzliches Vorbild entstanden ist und trotz Hindernissen, Ärgernissen und Aggressionen noch weiter entsteht, mit dem schlichten und heroischen Slogan: Wir schaffen das.

Thumbs up! Happy New Year! Ich danke Ihnen für diese Einladung.

Die Autorin wurde 1931 in Wien geboren und lebt in Kalifornien und Göttingen. Sie zählt zu den bekanntesten Germanistinnen in den USA. Zugleich machte sie sich als Schriftstellerin einen Namen. In »weiter leben« beschreibt sie ihre Kindheit in Wien und in den Lagern Theresienstadt und Auschwitz.“

#Pflegenotstand – Diskussionsrunde im Deutschlandfunk

Im Deutschlandfunk gab es gestern eine Diskussionsrunde zum Thema „Alt, dement, bettlägerig – Droht Deutschland der Pflegenotstand?“

Abgesehen vom eher blind gewählten Titel, nämlich der naiven Frage, ob uns der Notstand droht, ungeachtet der Tatsache, dass wir den längst haben, bin ich doch froh, dass das Thema überhaupt zum Gespräch gekommen ist.

Zu Gast in der Sendung waren

Claus Fussek, Sozialpädagoge und Buchautor
Erwin Rüddel, CDU, MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit
Elisabeth Scharfenberg, Bündnis 90/Grüne, MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit

Erwin Rüddel eiert in typischer Politikermanier herum, Claus Fussek und Elisabeth Scharfenberg (ebenso wie die diversen telefonisch zugeschalteten Zuhörer) dagegen sprechen mit erfrischernder lebensnaher Offenheit Betroffenen (also Pflegekräften, pflegenden Angehörigen und Pflegebedürftigen selbst) aus der Seele, reden sich regelrecht in Rage und bringen Rüddel mit ihren klaren Worten zum stottern.

Hier kann (und sollte!) man die Sendung nachhören.

Warum der #Pflegestreik ein feministisches Thema ist

Zum ersten Mal fiel er mir Ende Juni in die Augen. Der Hashtag #Pflegestreik. Damals hab ich noch gar nicht so richtig wahrgenommen, welche Bedeutung er eigentlich hatte.
So richtig bewußt wurde er mir ein paar Tage später. Ich klickte mich durch und dachte

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Der #Pflegestreik. Mein Alltag und meine Lieblingstweets

Der #Pflegestreik auf Twitter hat mich in den letzten Tagen massiv berührt und die vielen Tweets dazu sind hauptsächlich in zwei große Aussagen unterteilt. Erstens das inhaltliche Problem des Pflegenotstandes und die Betonung der großen Verantwortung und der harten Arbeit, die wir Pflegekräfte jeden Tag leisten. Und zweitens die Ignoranz, die alle großen Medien dazu an den Tag legen. Der Pflegestreik scheint einfach kein Thema zu sein, mit dem man sich auseinandersetzen will. Keine Berichterstattung in den Nachrichten, bis auf wenige Ausnahmen auf einigen Seiten und persönlichen Artikel auf diversen Blogs kaum Artikel in Online-Medien. In den großen Medien wie der Zeit, Welt, FAZ, TAZ etc oder im TV kein Wort dazu. Im Gegensatz zu den Streiks bei der Deutschen Bahn, der Post, den Piloten oder in Kitas hat der Pflegestreik keine Relevanz. Berichtet wird nur über Skandale und Skandälchen, wenn in irgendeinem Krankenhaus oder Pflegeheim was dramatisches passiert ist und man sich über unmögliche Zustände beklagt. Die Ursachen dafür sind aber keine Beachtung wert. Darüber gibt es auf Twitter die berechtigte Empörung.

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Ehe für alle – Niederlage für Familienfeinde

Vorab:

Es gibt aber Menschen, die das anders sehen, man glaubt es kaum. Von fundamentalistischen Religiösen und Antifeministen hört man häufiger die Behauptung, dass Feminismus, Gender Mainstreaming und Homosexualität, sowie der liberale Umgang damit Familien zerstören, Ehen entwerten, Kinder „frühsexualisieren“ würde… etc.

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Wenn selbsternannte Lebensschützer über das Leben anderer entscheiden wollen

Ich habe mich sehr über einen Artikel von Hermann Gröhe aufgeregt. Jener Hermann Gröhe, der jüngst seine Entscheidung zur Rezeptpflicht der Pille danach verkündete. Aber das meine ich jetzt nicht. Herr Gröhe ist nicht nur gegen die rezeptfreie Pille danach, er ist auch gegen die in Deutschland straffreie Beihilfe zur Selbsttötung.

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Homophobie und Manipulation bei #idpet

Der Wirbel um die homophobe Petition nimmt ja kein Ende. Unter #idpet kann auf Twitter jeder nachlesen, welches Gedankengut sich unter dieser Petition sammelt. (Besser vorher nichts essen)

Nachdem man sich auf den üblichen „konservativen“ Plattformen darüber freut, wieviele Unterstützer #idpet nicht nur in BaWü findet, wurde heute eine Tatsache bekannt, die uns einmal mehr die Untauglichkeit von Online-Umfragen vor Augen führt.

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Gauck hält Sexismus-Diskussion für nötig

Die Wellen um Gaucks Äußerung zur #Aufschrei-Debatte, die er als „Tugendfuror“ bezeichnet hat, schlugen hoch. Viele Kritiken gab es dazu. Die Piratin Marina Weisband sagt dazu:

“Ich empfand seine Äußerung als sehr von oben herab. Wenn viele Frauen sagen, dass es in diesem Land ein Sexismus-Problem gibt, dann hat auch der Bundespräsident das zu respektieren”, kommentierte Weisband in der “Bild am Sonntag” Gaucks Warnungen vor einem “Tugendfuror”.

“Da kann er 10.000 Mal das Staatsoberhaupt sein. Doch Gauck mangelt es offenbar an Respekt vor den jungen Frauen, die sich an der `Aufschrei`-Aktion beteiligt haben.”

Die Piraten-Politikerin weiter: “Er sollte sein Verhalten als Staatsoberhaupt überdenken.”

Desweiteren folgte ein offener Brief, in dem Gauck dazu aufgefordert wird, „sich reflektiert zu gesellschaftlichen Debatten Position zu beziehen und sich umfassend mit ihnen auseinanderzusetzen“.

Auch die Welt fordert: „Reden Sie mit den Frauen, Herr Bundespräsident!“

Die vielfältigen Kritiken schienen nicht wirkungslos an Gauck vorbeigeschossen zu sein, denn jetzt räumt Gauck ein: „Auch in unserer Gesellschaft gibt es Sexismus“

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Debatte über Sexismus in der Gesellschaft für notwendig. Bei der Verleihung des Verdienstordens an 33 Bürgerinnen anlässlich des Weltfrauentags am 8. März sagte Gauck am Donnerstag: „Auch in unserer Gesellschaft, die uns allen so entwickelt und reif erscheint, gibt es noch Benachteiligung, auch Diskriminierung und alltäglichen Sexismus.“ Darüber sollte von Frauen und Männern gleichermaßen eine engagierte Debatte geführt werden. So könnten Missstände benannt und aufgedeckt werden, sagte Gauck.

Der Bundespräsident reagiert damit auf Vorwürfe, in der Sexismus-Debatte falsche Signale gegeben zu haben. In einem Interview mit dem Spiegel war er gefragt worden, ob er den Umgang mit FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wegen dessen als sexistisch bewerteten Äußerungen als unfair empfunden habe.

Offener Brief nach „Tugendfuror“
Darauf sagte er: „Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde.“ Eine Gruppe von Netzaktivistinnen hatte Gauck daraufhin in einem offenen Brief auf der Internetseite alltagssexismus.de vorgeworfen, die Debatte zu bagatellisieren. Zu den Unterzeichnerinnen gehört auch Anne Wizorek, die Ende Januar die „Aufschrei-Aktion“ auf Twitter initiiert hatte, bei der Betroffene ihre Erfahrungen mit Sexismus schildern.

In dem Brief forderten sie Gauck dazu auf, mit Frauen in seinem Umfeld zu reden und auf Twitter die Geschichten zu lesen, die unter #Aufschrei beschrieben werden. „Lesen Sie, hören Sie zu und sagen Sie dann noch einmal, es handele sich hier lediglich um einen nicht ernst zu nehmenden ‚Tugendfuror‘.“

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles meldete sich am Donnerstag mit kritischen Tönen zu Wort. Viele Frauen, gerade jüngere, könnten Gaucks Bemerkung nicht nachvollziehen: „Ich glaube, dass es da eine Diskrepanz gibt, die lebensbiografisch begründet ist.“ Nahles will Gauck nun einen Brief schreiben und ihn zu einer Diskussion mit weiblichen SPD-Mitgliedern der Internetplatform femnet.de einladen.

Thema verfehlt. Setzen, 6!

Die Debatte, die nun schon seit über 1 Woche die Medien dominiert, scheint nicht kleiner zu werden. Das finde ich klasse. Das zeigt, dass es sich keineswegs um eine überflüssige Lappalie oder einen Sturm im Wasserglas handelt, der nur aufgebauscht wird, und was übermorgen niemanden mehr interessieren wird, sondern dass hier ein gewaltiger Nerv getroffen wurde. Schade nur, dass diese Möglichkeit von einem Medium wie dem Fernsehen mit seinen Talkshows, die ein Millionenpublikum zu verzeichnen haben, einfach nur verkackt wird und dieses lieber mittels phrasendreschender Gäste auf Stimmungsmache und Geschlechterkampf setzt als auf Aufklärung und ernsthafte Diskussion. Mit Gästen ohne Ahnung vom Thema, die lieber darüber schwadronieren, was Laura Himmelreich alles falsch gemacht hat, ob Brüderle das eigentliche Opfer in der Debatte ist, und ob man denn nun gar nicht mehr flirten dürfe, statt sich dem eigentlichen Problem zu stellen. Die dumme Witzchen reißen, um wenigstens die Lacher des Publikums auf ihre Seite zu ziehen, wenn sie schon keine Argumente haben. Die nichts weiter zu sagen haben, als immer wieder darauf hinzuweisen, dass ja auch Männer Opfer sind. Die mit ihrer eigenen Abgeklärtheit kokettieren und sich über die anderen Gäste, denen wir die Debatte überhaupt zu verdanken haben, lustig machen. Die die Frage, ob wir in Deutschland ein Sexismus-Problem haben, mit ihrer Art, sich in der Diskussion einzubringen, gleich selbst anschaulich beantworten. Bei den Privaten wundert einen ja nichts mehr. Aber auch der angebliche Bildungsauftrag der ÖR glänzt hier durch Abwesenheit.
Es gibt etliche großartige Artikel und Blogposts, die dieses Problem besser ins Schwarze treffen als ich es in Worte fassen könnte. Darum hier eine kleine Linksammlung nur einiger wirklich treffender Analysen zum gefloppten Diskussionsversuch im TV zu #Aufschrei.

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