Antifeministische Heuchelei: Austeilen und Einstecken

Manchmal stöbere ich aus reiner Langeweile in antifeministischen Blogs herum. Einfach aus Neugier, welcher Unsinn mal wieder verbreitet wird, welche profeministischen Äußerungen von welcher Person auch immer diesmal im Fadenkreuz des Bashens stehen, welches ad personam- Getrolle mal wieder verteilt wird und welche Strohmänner mal wieder abgefackelt werden. Und natürlich werde ich dabei selten enttäuscht.

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Eine Frage des Blickwinkels

Es gehört zu einem der größten Vorteilen als Mann, immer im Moment des Scheiterns die Schuld bei Frauen suchen zu können. Keine Karriere gemacht? Frauenquote war es schuld. Keine Frau/Familie abbekommen? Frauen haben zu hohe Ansprüche. Im Job kaputt malocht? Frauen fordern das so von Männern.

Ist auch völlig egal, ob diese Einschätzung von allen geteilt wird, Mann selbst glaubt das und bewältigt so nie wirklich zu 100 Prozent eigenes Scheitern. Wie bequem ist’s doch, andere dafür verantwortlich zu machen.

Bei Frauen ist’s vollkommen illusorisch. Jede Frau scheitert als Frau und nicht, weil sie Frau ist. Dieser Splitter ist so riesig im Maskulismus. Das ist unfassbar. Jede Kritik an Männern ist männerfeindlich. Jedes Scheitern von Männern ist männerfeindlich. Jede kritische Darstellung von Männern ist männerfeindlich.

Maskulismus ist Ausdruck hyperfragiler Maskulinität, die eben außer ihrer Geschlechtlichkeit, welche sie immer überbetont, nichts Identitätsstiftendes anbieten kann. Nichtmaskulistische Männer sind gefestigter. Die beziehen ihre Identität z.B. aus sinnlicher Beziehung zu Frauen oder z.B. durch Kinder. Maskulisten zeichnen sich durch die Abwesenheit dieser beiden Merkmale überwiegend aus.

Ihnen bleibt nichts als ihr Mannsein. Und daher nimmt ihr Mannsein auch so einen hohen Stellenwert ein. Es muss die die innere Leere füllen. Eigentlich traurig.

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Stop erstmal. Wenn du bis hierhin durchgehalten hast: Glückwunsch.

Jetzt sei einen Moment geduldig mit dir selbst und überlege, welche spontane Reaktion in dir beim Lesen hochkam.

Findest du, dass das ein zutiefst männerfeindlicher Text ist? Hattest du das Bedürfnis, deine Empörung über meine schlimme Männerfeindlichkeit in die Tasten zu hauen? Wolltest du diesen Text kopieren und ihn in irgendwelchen Antifemblogs deinen Brüdern im Geiste zum Fraß vorwerfen?

Bitte. Tu das ruhig. Aber sei dir im Klaren, dass dieser Text im Original in einem anderen Kommentarstrang erschienen ist, und zwar exakt so, nur mit umgekehrten Mann/Frau-Vorzeichen. Und in diesem Original wurde dieser Text keineswegs als frauenfeindlich bewertet. Von niemandem.

Und jetzt komme mir nach dieser Aufklärung bloß keiner mit der Ausrede an, dass obiger Text ja überhaupt nicht schlimm sei, und es daher auch am Originaltext nix zu kritisieren gäbe. Wenn ich daran denke, welche antifeministischen Hysterien mir schon für weit harmlosere Texte entgegengeflogen sind…

Es ist halt so. Den eigenen Splitter im Auge sieht man nicht, wenn man nur damit beschäftigt ist, auf andere zu zeigen. Anderen die Feindseligkeit vorzuwerfen, die man selbst zutiefst verinnerlicht hat, ist ein Problem so alt wie die Menschheit. Ein wenig mehr Reflexionsvermögen wäre angesagt.

eine Antifeministin beleidigt namenlos in der Hoffnung, es merkt keiner :)

Antifeministen sind ja immer wieder für ein Amüsement gut. Diesmal hat sich wieder die Figur „Anne Nühm“ ein Stelldichein gegeben.

Worum gehts? Sie hat einen Artikel verfasst, der zunächst mit nebulösen Andeutungen beginnt und keiner so recht ahnen kann, was das werden soll. Sie wolle keine Namen nennen oder irgendwas verlinken.

Im Laufenden Text wird allerdings ziemlich klar, dass sie mich meint, denn sie zitiert konkrete Beleidigungen, die sich auf mich beziehen von „von ihr geschätzten Kommentatoren“.

„Von von mir geschätzten Kommentatoren wurde ihr auf anderen Blogs das „intellektuelle Niveau einer Grundschülerin“ und Nervigkeit aufgrund „beiläufiger Selbstgefälligkeit und Einfältigkeit“ bescheinigt.“

Ersteres kam von Psycho David (Screen ist hier verlinkt), der ohne Beleidigungen bekanntermaßen eh nichts auf die Reihe bekommt, wenn ihm widersprochen wird, zweiteres von @sevens2 auf Margrets Blog in ihrem letzten Artikel.

Ihre anonyme Darstellung bar jeder Belegquellen hält sie für „fairer als mein hinterhältiges Vorgehen“. Was sie da konkret meint, lässt sich erst später erahnen, da sie einen Artikel anspricht, in dem ich sie verlinkt habe um zu zeigen wie sexistisch sie tickt, und in meiner „gewohnten Manier über sie herzog“. Was sie konkret zu beanstanden hat, lässt sie leider unklar. Dass ich sie verlinkt habe, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann? Ich will mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber das ist nun wirklich ein Vielfaches fairer als haltlose Andeutungen ohne jeden Bezugspunkt, die keiner prüfen kann. Aber was solls. Sie spielt halt ein bisschen die Beleidigte.

Dabei geht sie sogar noch weiter und unterstellt den Lesern meines Blogs, dass diese sich den verlinkten Artikel und die Kommentare nicht durchgelesen hätten

„Da es sich bei meinem ursprünglichen Blogeintrag um eine umfangreiche Lektüre handelt, wird sich kaum einer ihrer Leser die Mühe gemacht haben, ihn im Detail nachzulesen, um festzustellen, dass ihre Äußerungen völlig unzutreffend sind.“

Ich werde gleich noch darauf eingehen, wie man hingegen das Kommentarverhalten ihrer Leserschaft werten kann…

Kommentatoren meines Artikels werden sogar konkret beleidigt, natürlich wieder ohne Namensnennung (Ziel ihres persönlichen Angriffs war übrigens die geschätzte Robin)

„Für ihren Blogeintrag wurde der Person selbstverständlich sofort von ihrer Entourage sekundiert. So schwafelte etwa eine Langzeitstudentin eines bedeutungslosen Faches, die selbst noch nie etwas auf die Reihe bekommen hat, aber sich einbildet, meine berufliche Kompetenz beuteilen zu können, etwas von Dunning-Kruger-Effekt (worüber ich ob dieser von ihr unbeabsichtigten Rückbezüglichkeit denn doch laut auflachen musste). Schon bei meinem alten Eintrag war sie dadurch aufgefallen, besonders infantil-irrationale Äußerungen zu machen.“

Was in solchen Texten ja irgendwie nie fehlen darf, ist die Betonung meiner angeblichen Bedeutungslosigkeit. Das machen ja viele gern.

„Nun ja, ich werde solchen Leuten mit ihrer völligen Unfähigkeit zu einer differenzierten Sichtweise sicherlich nicht die Genugtuung geben, mich über ihr unmaßgebliches Gewäsch zu ärgern.“

Natürlich. Immerhin war ich wohl wichtig genug, überhaupt Thema eines Artikels zu werden :). Auch wenn mein Name feige verschwiegen wurde.

Und sie selbst hält sich auch noch für so bedeutend, dass sie mir unterstellt, ich hätte den Artikel bewußt zeitlich so gewählt, dass sie nicht drauf antworten kann.

„Es spricht für sich und ist bezeichnend, eine Veröffentlichung zeitlich so zu wählen, dass ich gerade dann nicht angemessen reagieren kann“

Da mußte ich doch jetzt ob dieser zur Schau getragenen Peinlichkeit wirklich sehr lachen. Für wen hält die sich, dass sie sich einbildet, es würde mich interessieren, WANN sie irgendwelche Texte liest oder drauf antwortet? Bisschen mehr Understatement wäre vielleicht angemessen. Madame „Nühm“, auch wenn Sie es gern so hätten, Sie sind nicht der Nabel der Welt. 🙂

Aber jetzt noch etwas zum Text allgemein.
Das alles wäre nun tatsächlich eine kleine ignorierenswerte Nichtigkeit, die keines Blickes würdig ist, wenn man dahinter nicht eine nette Strategie sehen könnte. Einen derart unterkomplexen und lächerlichen Text über jemanden zu schreiben, weder dessen Namen zu nennen, noch irgendeinen konkreten Bezugspunkt oder Quellen zu nennen, sich in Beleidigungen auszulassen, in der Hoffnung, derjenige würde es nicht merken oder „keine Publicity bekommen“, wie sie es so schön formuliert.
Liebste „Anne“, das war ein Irrtum. Auf deine antifeministischen Freunde kann man sich immer verlassen. Die verlinken jeden Dreck. Auch deinen. 🙂

Mit dieser Strategie macht man es sich natürlich auch sehr leicht, weil man sich komplett gegen Kritik immunisiert. Man könnte zwar noch die Hoffnung haben, dass wenigstens ihre Kommentatoren mal nachfragen „Moment, worum gehts eignetlich?“. Aber das scheint dort auch niemand hinbekommen zu haben. Das scheinen Lemminge zu sein, die ihr aus der Hand fressen und alles schlucken, was einfach behauptet wird. Tenor: „ich weiß zwar nicht worum es geht, aber du wirst schon recht haben“

Feministisch-Maskulistische Zusammenarbeit: kann das gehen?

Da Margret mittlerweile in ihrem Blog die Kommentarfunktion leider (aber verständlicherweise) abgestellt hat, versuche ich mal die Diskussion zum Thema, wie sich Feminismus und Maskulismus annähern könnten, hier weiterzuführen. Resolute Nuss sagt dort folgendes:

Die 2. Möglichkeit ist noch schwieriger und wird euch beiden vielleicht noch weniger gefallen. Sie besteht darin, eine ein harmloses Ventil für die Frustration zu bieten welche sich bei vielen aufgestaut hat. Ich vermute der Grund warum manche Diskussionen immer wieder neu auf bestimmte Themen lenken ist, dass sie halt in den Fällen wo es tatsächlich relevant war nicht wirklich angehört wurden. Stattdessen wurde nur geblockt oder abgestempelt und die Meinung für wertlos befunden. Das führt dann auch zu dem inneren Druck der in den üblichen Feindseligkeiten ausartet. Man will es rauslassen, weiß aber nicht wo und wie mit dem eben genannten Ergebnis. Dabei schließe ich auch von mir selbst nur ich konnte mich eben auf andere Weise fangen. Ein Teil des Problems ist, dabei auch das die Fehler der eigenen Seite oft keine Beachtung finden. Wenn man einen Feminsten fragt: Warum hat Feminismus so einen schlechten Ruf? und wenn man einen Maskulisten fragt: Warum hat der Maskulismus so einen schlechten Ruf? Werden die Antworten mehr oder weniger in die andere Richtung zeigen. Deswegen wäre meine Idee ein Beitrag bei dem jeder der möchte halt beschreibt was das erste oder die ersten großen Ereignisse waren die zu dieser Feindseligkeit geführt haben war. Dabei sollte natürlich konkret erklärt werden und keiner mit Frauen/Männerhass ankommen. Gut möglich, dass es genauso wenig klappt wie die Versuche davor. Auf der andere Seite kann zumindest ich mir vorstellen solch ein Rückblick könnte helfen sich auf das zu besinnen was man eigentlich wollte und es könnte Verständnis für die Gegenseite wecken die bisher einfach fehlt. Deswegen kann dies auch nicht einfach eine Fraktion tun, da würde wieder das Gefühl fehlen gehört zu werden.

 

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Shitstorms und Shitstorms

Nochmal ein kurzer Gedanke zu Erzähmirnix. Diesmal zu ihrem Shitstorm-Artikel

Sie wurde massiv von einigen Feministinnen geshitstormt. Undifferenziert und völlig zu Unrecht. Aber sie zeigt hier wahre Größe, indem sie dazu auffordert, Shitstorms gegen Feministinnen bleiben zu lassen, weil Shitstorms einfach immer scheiße und nie ein Argument für irgendwas sind und man nie weiß, was sie beim betroffenen Menschen auslösen.

Und damit komme ich zum Schluss dieses Textes: Bitte hört auf, die Tugendfurien und sonstigen Beteiligten jetzt im Pulk zu stressen. Hört auf, alte Skandale auszugraben oder in der Gruppe über sie zu lästern. Ihr wisst nicht, wen ihr da wie stark trefft und wie es den Leuten tatsächlich zuhause hinter ihrem Bildschirm geht. Ich bin dankbar, dass ihr da seid, und dankbar, dass ihr Stellung bezogen habt gegen die heftigen Anschuldigungen (Edit: Und nochmal zur Klarstellung, dieses Gegenhalten gegen den Shitstorm hat mir enorm geholfen und war sehr wichtig!) , aber wenn es jetzt in die andere Richtung schlägt, dass plötzlich genausoviele Leute auf einzelne Shitstormerinnen einstürmen ist das keine Notwehr mehr, dann ist es Mobbing. Jeder hält sich für “den Guten”, denn keiner geht hin und sagt “Heute bin ich mal ein riesen Arschloch und zerstöre jemandes Leben auf Twitter”, es gibt immer Gründe. Aber keiner davon ist wirklich gut, um zu mobben.

Eine Haltung, die man nur unterstreichen kann. So weit, so gut. Interessant sind aber die Reaktionen darauf. Ihren Text finden die allermeisten toll und beglückwünschen sie zu ihrer Stärke, sind aber gleichzeitig davon überzeugt, dass Feministinnen natürlich selbst dran schuld sind, wenn sie geshitstormt werden. Weil, die shitstormen ja auch!!!

Ein paar Auszüge:

„Ich denke nicht, dass Leute wie die Tugendfurie … irgendwelchen Argumenten zugänglich sind. … Aber ob ihr weitere “Shitstorms” und “Harassment” überhaupt schaden können?“

„warum versuchst du berechtigte Shitstorms über ihr Verhalten zu unterbinden?“

„Tugendfurie hat sich aus freier Entscheidung die Bütt begeben. Sie kriegt Applaus oder Gemüse.“

„die Gegenwehr die sie gerade ernten, haben sie gewissenhaft und gründlich gesät.“

„Mag schon sein, dass auch sie darunter “leiden”, was ihnen dann selbst entgegenkommt. Auch ein Mörder oder Sexualverbrecher “leidet” darunter, dass er von anderen für einen Unmenschen gehalten wird.“

Heißt, der Kerngedanke des Artikels wurde nicht ansatzweise begriffen. Erzählmirnix streckt hier die Hand aus und sagt „lasst die Scheiße einfach bleiben!“. Und was passiert? Geheucheltes Lob. Geheuchelt deswegen, weil Betroffenheit wegen der Scheiße gg Erzählmirnix geäußert wird, aber die gleiche Scheiße gg andere betroffene Feministinnen offenbar nur mit der selbst Schuld-Keule quittiert werden kann. Ein Shitstorm und ein Shitstorm ist halt nicht das gleiche. Manchmal ist er scheiße und asozial und nicht zu verzeihen. Und manchmal auch einfach eine verständliche Reaktion,über die man sich nicht wundern muß. Oder so. Kommt halt nur auf die Person an, die es betrifft, gell?

Merkter was? Doppelmoral wohin man guckt. Ekelhaft.

Der Twitterfeminismus, die Antifeministen und ich. #notmyfeminism

Nachdem ich nun eine Zeit lang verfolgt habe, welche undifferenzierten Anfeindungen es der Bloggerin Erzählmirnix gegenüber gab und weiter gibt, sie als antifeministisch, homophob oder sogar rassistisch bezeichnet wurde und wird, wollte ich mal genauer wissen, wo eigentlich das Problem ist und sprach eine der Damen, die ihr so kritisch gegenüberstehen, daraufhin an. Was dann folgte, war nicht etwa eine Diskussion darüber, wie man die Comics verstehen kann und was konkret daran irgendwie -istisch, -phob, -shamend oder sonstwie schlimm ist. Nein, die einzige Antwort, die ich bekam, war eigentlich nur „lies halt die Liste“ (diese hier), und weiteres Nachfragen wurde von mehreren Leuten mit teils sehr billigen Angriffen quittiert. Noch mal sowas, und „ich bin raus“ (Keine Ahnung was das heißen sollte, wollte sie mich gleich ganz von Twitter rausschmeißen oder doch nur blocken? Wer weiß es schon?). Ob ich denn zu faul zum lesen sei. der ob ich schon unfallfrei mit Besteck essen könne. Naja. Kann man witzig finden. Muß man aber nicht.

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Warum Antifeminismus nichts mit Humanismus zu tun hat

Wenn sich Antifeministen damit brüsten, die besseren Menschen als Feministen zu sein (und das tun sie alle), kann ich nur müde den Kopf schütteln. Das hat im Wesentlichen seinen Grund darin, dass der Antifeminismus eine reine Trotz-und Bashing-Ideologie ohne eigene Inhalte ist, die einfach nur „dagegen“ ist, wie ja der Name schon sagt. Dass sich menschenfeindliche Gesinnungen wie Rassismus und Homofeindlichkeit dort auch zu Hause fühlen, ist auch weder Geheimnis, noch Seltenheit. Dennoch bilden sie sich ein, ein humanistisches Weltbild zu vertreten, in dem alle Menschen glücklich sind. Sie sind schließlich gegen das Böse, das ultimate evil, die Wurzel allen Übels schlechthin. Sie sind die wahren Kämpfer für eine bessere Welt, in der Frauen Frauen, und Männer Männer sein dürfen. Das macht sie einfach zu besseren Menschen. Und überhaupt. Blablub.

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Ehe für alle – Niederlage für Familienfeinde

Vorab:

Es gibt aber Menschen, die das anders sehen, man glaubt es kaum. Von fundamentalistischen Religiösen und Antifeministen hört man häufiger die Behauptung, dass Feminismus, Gender Mainstreaming und Homosexualität, sowie der liberale Umgang damit Familien zerstören, Ehen entwerten, Kinder „frühsexualisieren“ würde… etc.

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#notmyfeminism – „Fatshaming“

Aktuell geht es in der Twittersphäre wieder mal hoch her. Anlass dafür war Robins Rezension zum Buch „Fettlogik überwinden“, die bei einigen Leuten auf eine Menge Unverständnis gestoßen ist. Ihr wurde unter anderem Fatshaming vorgeworfen, und noch andere Dinge in den Mund gelegt, die sie nicht gesagt hat.

Die Twitterdiskussion, die ich dann selbst miterleben durfte, war dann aber auch nicht besser. Das erinnerte mich fatal an vergangene Twitter-Diskussionen, in der einige bewiesen haben, dass sie es nicht schaffen, aus ihrer Filterbubble heraus zu denken. Genauso, wie einen immer wieder Antifeministen wegen Nichtigkeiten ankläffen, demonstrieren auch manche Feministinnen, dass es ihnen nicht „um die Sache“ geht, sondern nur darum, andere zu dissen, die es wagen, eine eigene Meinung zu haben.

Das allein ist eigentlich schon fast zu komisch. Der Vorfurf, ich würde „ständig (!) Diskriminierungen verteidigen“ ist an Absurdität kaum zu überbieten

Und auch folgender Tweet ist Beweis genug, dass ich mit solchen Leuten wirklich nichts zu tun haben will.

Da hat jemand den Feminismus wirklich sowas von nicht verstanden. Solche Leute sind unnötiges Futter auf antifeministische Mühlen, denn solche Aussagen werden dann gern mal von differenzierungunfähigen Hohlköpfen als „der Feminismus“ hochgehalten.

NEIN. Das ist kein Feminismus. Das ist bescheuert.

Wisst ihr was, ihr Hühner? Ihr könnt mich mal. Feiert euren Männerhass, soviel ihr wollt, ist mir scheißegal. Aber glaubt nicht, dass das, was ihr da veranstaltet, noch irgendwas mit Feminismus zu tun hat. Ich trete für einen Feminismus ein, in dem jeder sein Leben so gestalten kann, wie er es will und für richtig hält, ohne dafür angegriffen zu werden. Ob das nun Sexualität ist, Berufs- und Familienleben oder sonstwas. Da gibt es noch genug Baustellen, wo sich Feministinnen einmischen können und müssen. Aber auch die Einstellung zur Ernährung und der Wunsch nach einem bestimmten Aussehen gehört zur individuellen Lebensgestaltung, die man zu akzeptieren hat. Und ihr kommt daher und tretet das mit Füßen? Wollt ihr angepisst werden, weil ihr vegetarisch oder vegan lebt, oder weil ihr Leistungssport macht oder Yoga oder sonstwas, weil ihr das gesünder findet und das das Beste für euer eigenes Leben ist? Eben. Ihr lobt Toleranz der Fat-Acceptance-Bewegung hoch aber verhaltet euch selbst wie die radikalsten Missionare, die keinen Widerspruch dulden. Merkt ihr nicht dass da was nicht zusammenpasst?
Ihr flippt nur aus, weil ihr in einen Text reinphantasiert, dass jemand angeblich dicke Menschen diskriminiert, in dem es nur um ihn selbst geht. Tut euch am besten mit den Pöbelbacken aus der antifeminstischen Ecke zusammen, denn ihr habt vermutlich mehr gemeinsam, als euch klar und lieb sein dürfte.

Das traurige an der Sache ist eigentlich nur der Auslöser dafür, der – und dafür lege ich meine Hand ins Feuer, denn dafür kenne ich Robin inzwischen zu gut – nicht die kleinste Absicht hatte, irgendjemanden anzugreifen. Der betreffende Text ist eine persönliche Abhandlung, die ich persönlich großartig fand. Ich, die auch seit Jahren dafür argumentiert, Akzeptanz ggü Menschen zu fordern, die nicht allgemeinen Schönheitsidealen entsprechen. Die es zum kotzen findet, wenn schon kleine Mädchen über Diäten nachdenken müssen, weil ihnen von allen Seiten eingeredet wird, dass sie nur hübsch sind, wenn sie Modelmaße haben. Die Menschen für Arschlöcher hält, die übergewichtige Menschen als dumm, faul und häßlich bezeichnen.

Da stellt sich nun eine Frau hin, die sagt, dass sie in ihrem Leben etwas ändern will und euch fällt nichts anderes ein, als sie dafür zu bashen und ihr Dinge zu unterstellen, mit denen sie selbst jahrelang konfrontiert war? Srsly?

Ich habe übrigens auch keine Modelmaße. Und ich find mich völlig ok, wie ich bin. Ein paar Kilo weniger könnten es immer sein, aber daraus mache ich nicht meinen einzigen Lebensinhalt. Ich könnte mich theoretisch von dem Buch, um das es ja eigentlich geht und Ursache der ganzen Hysterie ist, auch gedisst fühlen, nur weil da steht, dass man krank werden kann. Tu ich aber nicht, weil ich es gelesen, und verstanden habe. Ihr habt es offenbar nicht und meint trotzdem, es verurteilen zu müssen. Werdet so dick wie ihr wollt, das interessiert niemanden. Aber lasst Leute in Ruhe, die ihr Leben selbst bestimmen wollen und sehr glücklich damit sind. Denn DAS ist Feminismus. Alles andere ist scheiße.

Esther Vilar eine Satirikerin?

In diesem Strang, der mittlerweile recht unübersichtlich geworden ist, ist ein Nebenthema aufgekommen, das ich nicht in Vergessenheit geraten lassen möchte.

Leszek behauptet dort in mehreren Kommentaren, Esther Vilar hätte ihr Buch „Der dressierte Mann“, das wohl zweifelsfrei eine polemische Kampfansage an Frauen darstellt, satirisch gemeint und man könne das demnach nicht ernst nehmen.

„Esther Vilars Buch “Der dressierte Mann” ist eine mit dem Holzhammer argumentierende dekonstruktive Satire auf die Angst vor der Freiheit am Beispiel des Festhaltens am Leitbild traditioneller Geschlechterrollen, die außerdem gemäß dem Motto “Man muss den Stab in die andere Richtung biegen, um ihn wieder gerade zu bekommen” vorgeht und eine vehemente Kontraposition zu dem damals vorherrschenden radikalfeministischen Diskurs einnimmt.“
https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2015/03/14/du-akzeptierst-keine-manner-weil-weil-weil-halt-weil-du-uber-rape-culture-redestdrolf-logik-von-antifeministen/#comment-13325

oder hier

„Eine dekonstruktive Satire. Es ging darum mit satirischen und polemischen Mitteln eine Dekonstruktion des Leitbildes traditioneller Geschlechterrollen und gleichzeitig eine Dekonstruktion des damaligen radikalfeministischen Diskurses vorzunehmen.“
https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2015/03/14/du-akzeptierst-keine-manner-weil-weil-weil-halt-weil-du-uber-rape-culture-redestdrolf-logik-von-antifeministen/#comment-13361

oder hier

„In „Der dressierte Mann“ geht es darum, die Angst vor der Freiheit im Hinblick auf das Festhalten von Männern und Frauen an traditionellen Geschlechterrollen kritisch zu thematisieren. Dabei bedient sich Esther Vilar satirischer und polemischer Stilmittel, um das Gewohnte in einem verfremdeten Licht erscheinen zu lassen und so eine Distanz beim Leser herzustellen, die kritische Reflektion ermöglicht.“

„Vilars Schrift „Der dressierte Mann“ ist voller überspitzter und übertriebener, offenkundig nicht wörtlich zu nehmender Formulierungen, mit deren Hilfe die traditionellen Geschlechterrollen von Mann und Frau satirisch überzeichnet dargestellt werden um dadurch beim Leser eine Distanz zu schaffen, die kritische Reflektion und Desidentifikation von diesen Rollen ermöglicht.“
https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2015/03/14/du-akzeptierst-keine-manner-weil-weil-weil-halt-weil-du-uber-rape-culture-redestdrolf-logik-von-antifeministen/#comment-13386

Belege für eine Satire konnte ich nirgends entdecken. Auch nach mehrmaligem Nachfragen kamen da keine überzeugenden Antworten, sondern nur die gleiche Behauptung, dass es eine Satire sei. Im Gegenteil sagt aber Vilar selbst im Interview mit Alice Schwarzer sehr deutlich, dass es keine Satire ist. Sie bezeichnet ihre Schriften selbst als „Feminismus aus einer weiblichen Perspektive“

Was sie schrieb, meinte sie also offensichtlich ziemlich ernst. (Es sei denn, sie hat im Interview eiskalt und glasklar gelogen) Und auch die Leseprobe , die es online gibt, gibt keine Hinweise darauf, dass irgendwas an ihren Büchern satirisch zu verstehen ist:

„Gut fünfzehn Jahre sind seit der ersten Veröffentlichung meines Buches >Der dressierte MannDas polygame GeschlechtDas Ende der Dressur< — habe ich schließlich konkrete Vorschläge für eine Unterwanderung des so geschickt getarnten Matriarchats gemacht.
Die drei Bücher gehören also zusammen, und dank der hier gegebenen Möglichkeit einer Herausgabe in einem Band habe ich nun einer Neuveröffentlichung gern zugestimmt.

Zwei Fragen, die mir in diesem Zusammenhang immer wieder gestellt werden, möchte ich hier vorsorglich beantworten.
So will man häufig von mir wissen, ob ich diese Bücher — vor allem das erste — noch einmal schreiben würde. Nun, ich finde es gut und wichtig, es getan zu haben. Doch aus meiner heutigen Sicht ist mein Mut von damals wohl eher mit einem Mangel an Vorstellungskraft zu erklären. Trotz allem, was ich da schrieb, habe ich mir die Macht, gegen die ich dann tatsächlich antrat, nicht wirklich ausmalen können. Man darf Frauen — auch und vor allem als Frau — nur hinter vorgehaltener Hand kritisieren, kann Zustimmung nur hinter geschlossenen Türen erwarten. Da wir Frauen dank unseres vergleichsweise streßarmen Lebens ein höheres Alter erreichen und deshalb in allen westlichen Industrieländern die Mehrheit der Wähler stellen, könnte es sich zum Beispiel kein Politiker leisten, ausgerechnet uns vor den Kopf zu stoßen. Und auch die Presse hat kein Interesse an Nörgelei: Ihre Erzeugnisse werden über Anzeigen für Konsumgüter finanziert, und falls wir Frauen — die wir ja bekanntlich die überwiegende Zahl der Kaufentscheide treffen — eine bestimmte Zeitung oder Zeitschrift nicht mehr lesen möchten, weil uns der redaktionelle Teil mißfällt, bleiben auch die an uns adressierten Anzeigen weg.
Unterschätzt hatte ich aber auch die Angst der Männer vor einer Überprüfung ihrer Position. Doch je mehr sie im Berufsleben an Souveränität verlieren — je automatisierter ihre Arbeit sich gestaltet, je kontrollierbarer sie der Computer macht, je mehr sie die steigende Arbeitslosigkeit zu Unterwürfigkeit gegenüber Kunden und Vorgesetzten zwingt —, desto mehr müssen sie ja auch ein Erkennen scheuen. Und desto unentbehrlicher wird ihnen die Illusion, nicht sie seien die am meisten Versklavten, sondern jene, um deretwillen sie ein solches Leben auf sich nehmen.

So absurd es klingt: In der heutigen Welt brauchen die Männer die Feministinnen weit dringender als ihre Ehefrauen. Sind diese doch die letzten, die sie noch so beschreiben, wie sie sich selbst gern sähen — eigenwillig, machtbesessen, rücksichtslos und ohne jede Hemmung, wenn es um die Befriedigung ihrer animalischen Instinkte geht. Gerade die aggressivsten Frauenrechtlerinnen arbeiten also der bestehenden Ordnung am unglückseligsten in die Hand. Ohne ihre unermüdlichen Anklagen gäbe es den »Macho« höchstens noch im Kino.. Falls unsere Presse sie nicht täglich in Millionenauflagen zu reißenden Wölfen stilisierte, zögen die eigentlichen Opferlämmer dieser »Männergesellschaft«, die Männer selbst, wohl schon längst nicht mehr so ergeben in die Fabriken.

Ich hatte mir also die Einsamkeit der Position, in die ich mich durch das Verfassen dieser drei Bücher begeben würde, nicht zur Genüge vorgestellt. Auch nicht die Folgen, die dies für meine weitere schriftstellerische Arbeit und sogar noch für mein Privatleben haben würde — Tätlichkeiten und Bedrohungen haben bis heute nicht ganz aufgehört. Eine Frau, die den Erzfeind verteidigt hatte, das häusliche Leben nicht mit Isolationsfolter gleichsetzte und die Gesellschaft kleiner Kinder als Freude und Ehre bezeichnete, mußte für die Öffentlichkeit zwangsläufig zur »Frauenhasserin«, ja sogar zur »Reaktionärin« und »Faschistin«, werden. Hatte Karl Marx nicht ein für allemal festgestellt, daß in einer Industriegesellschaft wir Frauen die am meisten Unterdrückten sind? Daß jemand, der sich an der Heiligsprechung seines Geschlechts nicht beteiligen mag, auch gegen gleichen Lohn und gleiche Aufstiegschancen für Frauen ist, darf man ja ohnehin voraussetzen, nicht wahr?
Mit anderen Worten: Nach allem, was ich jetzt weiß, würde ich diese Bücher wohl nicht noch einmal schreiben. Und gerade darum bin ich heilfroh, es getan zu haben, und möchte an dieser Stelle den wenigen Personen danken, die mich und meine Arbeit auch in der Öffentlichkeit in Schutz genommen haben. Bezeichnenderweise handelte es sich dabei meist um Frauen.
Die zweite Frage ist die nach der Aktualität meiner damaligen Aussage. Wie weit stimmt das, was ich hier beschrieben hatte, für die »neue Frau», den »neuen Mann»?
…" (S. 9/10)

Wo in dieser Stellungnahme ist nun zu erkennen, dass ihre Texte satirische Stilmittel enthalten? Sie bekräftigt doch recht deutlich ihre Inhalte noch mal.
Meiner Meinung nach handelt es sich keineswegs um eine Satire, sondern um eine reine streitlustige provokante Polemik einer Frau, die unmißverständlich klar macht, dass sie Frauen für das dumme, faule und privilegierte Geschlecht, und Männer für arme Opfer hält. Während sie die Opferhaltung von Frauen für eine Beleidigung hält, sieht sie selbiges bei Männern offenbar nicht und hat keine Probleme, ihnen den Opferstatus zuzumuten. Vilar ist also klar als frauen- und männerfeindlich einzustufen.

Wo also sind die Belege oder zumindest Hinweise, dass man Vilar satirisch verstehen kann? Alles, was man deutlich sieht, ist ein Hasspamphlet über andere Frauen mit einer egozentrischen "Ich bin die große löbliche Ausnahme. Ich bin anders als alle anderen. Alle anderen sind dumm und faul"-Attitüde.