„Verletzung von religiösen Gefühlen“

Einen sehr schönen Text, der es Wert ist, als Blogpost verewigt zu werden, hat Schlecky Silberstein geschrieben. Ich könnte ihn in Gänze zitieren, also lest ihn einfach.

Die benannten Fakten sind alle nicht neu, sondern längst belegt, werden aber immer wieder mit einer beeindruckend hartnäckigen Ignoranz und schmollendem Beleidigt sein gewürdigt.

Viel muß man dazu auch nicht mehr ergänzen, nur 2 oder 3 kleine Anmerkungen von mir, denn die „Gegenargumente“, wenn mal welche kommen, sind ja auch immer die gleichen.

„Wir sind nun mal ein christlich geprägtes Land und unsere Werte stammen aus dem Christentum“

Unsere Werte (Demokratie, Humanismus, Menschenrechte, Gleichberechtigung) sind kein Produkt des Christentums, sondern mußten hart gegen die Kirchen erkämpft werden. Bis auf Weißrussland ist der einzige europäische Staat, der bis heute die europäische Menschenrechtskonvention nicht unterzeichnet hat, der Vatikan. Wie sich die Kirche trotzdem anmaßen kann, dass sie mit ihren „Werten“ unsere Gesellschaft geprägt hat, kann man nur mit Größenwahn und Verlogenheit erklären.

„Aber die Kirchen tun doch so viel Gutes“

Wenn überhaupt, tun Menschen Gutes, und nicht Kirchen. Und wer Menschen unterstellt, ihr gutes Handeln beruhe nicht etwa auf einer normalen menschlichen Empathie, sondern nur auf einer Konfession und damit auf der Hoffnung auf ein Ticket ins Paradies, der tut mir ernsthaft leid für sein Menschenbild.

Im Namen der Kirchen wird gutes getan, das stimmt wohl. Aber keineswegs ist auch überall tatsächlich Kirche drin, wo Kirche draufsteht. Vor allem, wenn es um Finanzen geht. Bischofsgehälter und konfessionelle Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie seien nur als Beispiele genannt.

„Das Nazi-Regime war auch atheistisch“

ROFL. Klassische Geschichtsverfälschung ersten Ranges (mal ganz abgesehen von dem armseligen Argumentationsmuster). Die unheilige Kooperation zwischen der katholischen Kirche und Hitler ist hinreichend belegt und hat dazu geführt, dass die Kirchen bis heute Einfluß in Politik und Wirtschaft haben und der Staat heute noch milliardenschwere Kirchensubventionen leistet, die JEDER (auch jeder Anders- und Nicht-Gläubige mit seinen Steuerzahlungen mitträgt. Man informiere sich im Falle des Zweifels über das „Reichskonkordat„.

All das wird aber nicht gern gehört, sondern wie gesagt eher schmollend ignoriert. Weil, religiöse Gefühle und so. Offenbar sind die mehr Wert als Fakten. Nun ja…

#Pflege: #Religionskritik

Nicht nur das Thema Feminismus hängt meiner Überzeugung nach eng mit dem Thema Pflege zusammen, auch das Thema Religionskritik.

Um das zu verstehen, muß man etwas in die Geschichte ausholen, und berücksichtigen, dass es früher ausschließlich Nonnen waren, die Pflegearbeit verrichtet haben. Daher kommt auch die Bezeichnung der „Schwester“, die nicht aus den Köpfen zu kriegen ist, auch wenn die offiziellen Berufsbezeichnungen längst andere sind. Altenpfleger hießen schon immer Altenpfleger, aber auch die Krankenschwestern heißt nicht mehr Schwestern, sondern Krankenpfleger. Der Begriff der „Schwester“ stammt also noch aus Zeiten, als sich Kirchenfrauen mit altruistischem Eifer und zum vergelts Gott-Tarif um Alte und Kranke gekümmert haben.

Sprache und Denken unterliegt permanentem Wandel, aber es dauert immer eine gewisse Zeit, bis das auch in den letzten Kopf eingedrungen ist.

Ich habe jetzt persönlich kein größeres Problem damit, wenn ich „Schwester“ genannt werde. Den demenzkranken Pflegebedürftigen kann man daraus ohnehin keinen Vorwurf machen.

Ich rege mich über ganz andere Dinge auf.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland erheben einen gewaltigen Anspruch darauf, „im Namen Gottes“ so wahnsinngig viel Gutes zu tun. In ihrem Namen werden unzählige soziale Einrichtungen geführt.
Über der Tür steht „katholisch“ oder „evangelisch“ und jeder meint, im Schoß der Kirche gut aufgehoben zu sein.

Die Realität ist aber eine andere.

Es ist das eine, dass man als Mitarbeiter einer kirchlich geführten sozialen Einrichtung selbst Mitglied einer Kirche sein muß und Geschiedene und Homosexuelle diskriminiert werden, sogar jede Putzfrau muß einer Kirche angehören.

Das allein ist schon Aufreger genug. Aber noch viel schlimmer finde ich die Tatsache, dass diese kirchlich geführten Einrichtungen nur zu einem geringen Bruchteil auch von der Kirche finanziert werden. Der weitaus größte Teil (über 90%) wird aus öffentlicher Hand finanziert. Jeder (auch konfessionslose) Steuerzahler bezahlt also dafür, dass kirchliche Einrichtungen ihre eigenen Gesetze haben, die über dem Staat stehen und gegen das allgemeine Gleichstellungsgesetz verstoßen. Näheres dazu hier.

Pflege ist keine altruistische Dienstleistung, die für Gottes Lohn von jedem Menschen mit ein bisschen Herz verrichtet werden kann, sondern eine qualitativ hochwertige Profession, die nicht grundlos höchste Ansprüche hat.
Deswegen ist in höchsten Maß kritikwürdig, wenn qualifizierte BewerberInnen nur aufgrund fehlender Konfession abgelehnt werden.

Das ist einer der Hauptgründe dafür, warum ich nicht für einen kirchlichen Träger arbeiten würde. Meine Arbeitskraft, meine Kompetenz, meine Erfahrung nicht einer Einrichtung zur Verfügung stellen würde, die sich auf die Fahnen schreibt, im Namen der Kirche soziale Dienste zu verrichten und eigene Gesetze hat, sich aber fast ausschließlich vom Staat bezahlen lässt.
Das ist ungefähr so logisch und gerecht, als würde man Alkoholabstinenzler zwingen, den Alkoholikern den Schnaps zu bezahlen.

Von mir aus sollen Kirchen ihre eigenen Gesetze haben und nach eigenen Regeln leben. Aber dann sollen sie sich auch bitte schön gefälligst selbst finanzieren und ihre Gesetze nicht auf alle anderen überstülpen. Solange diese Ungerechtigkeit und Unlogik besteht, kann man nur jedem davon abraten, sich in den Dienst einer konfessionellen Einrichtung zu begeben. Kein Streikrecht, kein Betriebsrat, diskriminierende Einstellungspolitik, kein Tarifrecht. Und das bei den desolaten Zuständen in so ziemlich jeder Pflegeeinrichtung. Also bitte…