Versuchter Kirchensteuereinzug bei Konfessionslosen – klingt wie Schutzgelderpressung der Mafia

Brights - Die Natur des Zweifels

Kirchensteuer-Rasterfahndung: Solche Fragenbögen verschicken die Kirchensteuerstellen bei den Finanzämtern in Berlin zehntausendfach. Foto: © A. Platzek

Im Frühjahr dieses Jahres bin ich berufsbedingt nach Berlin umgezogen und erhielt nun – nach fünf Monaten am Wohnort – zu meiner Überraschung ein Schreiben von der „Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Treptow-Köpenick“, die behauptet, dass meine Kirchenmitgliedschaft „ungeklärt“ sei. Ich bin vor 16 Jahren aus der Kirche ausgetreten.

Von Babro Walker | Gläserne Wände

Ich wurde gebeten, umgehend hierzu Angaben in einem beigefügten Bogen zu machen. Der Bogen enthielt allerlei sehr persönliche Fragen (wie etwa wann und wo ich getauft wurde) und darüber hinaus wurden Angaben abgefragt, die wohl kaum von einem mittelalten Erwachsenen gemacht werden können (etwa wie meine genaue Anschrift zum Zeitpunkt meiner Geburt lautete). Insgesamt stellte der Bogen mehr als 20 Fragen, zu denen auch Details zu meinem Kirchenaustritt (wann, wo, zuständige Behörde) gehören. Ich wurde gebeten, meinen Kirchenaustritt nachzuweisen, indem ich…

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Die AfD und die Kirchen

Die rechtsextremistische AfD hat mal wieder ein neues Feindbild gefunden. Die beiden deutschen Großkirchen.

Sie bezeichnet die Kirchen als Lobbygruppen und fordert deren Entmachtung. Fordert, dass konfessionsfreie Menschen dürfen nicht per Steuerabgaben für kircheninterne Finanzierungen gezwungen werden, und die Trennung von Staat und Kirche.
https://www.welt.de/regionales/bayern/article179476318/Landtagswahl-2018-AfD-bezeichnet-Kirchen-als-Lobbygruppen.html

Mit dieser Forderung hat die AfD zugegebenermaßen sehr Recht und damit schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Andere etablierte Parteien sind noch lange nicht so weit. Das macht sie aber noch lange nicht wählbar, da sie schlicht nicht glaubwürdig ist. Sie vertritt keine grundsätzliche Religionskritik (es sei denn es geht gegen den Islam), sondern ist nur beleidigt, weil sich einige Kirchenvertreter gegen die AfD gestellt haben.
Prognose: Spätestens zu Weihnachten wird man sie wieder hören, die strammen Verfechter des christlichen Abendlandes, die darüber wütend sind, dass es nicht nur Weihnachtsmärkte, sondern auch Lichtermärkte gibt. Die uns alle darüber aufklären, dass christliche Traditionen zu unserer Leitkultur gehören, die gegen die schreckliche Islamisierung verteidigt werden müssen. (Hinweis: Im verlinkten Artikel wird auf einen „AfD-Fanshop“ verlinkt, der Poster verkauft, wo explizit das christliche Abendland propagiert wird)

Es ist also – wie immer – nur reiner populistischer Stimmenfang. Das ist einfach zu durchschaubar, um bei vernunftbegabten Religionskritikern anzukommen.

„Verletzung von religiösen Gefühlen“

Einen sehr schönen Text, der es Wert ist, als Blogpost verewigt zu werden, hat Schlecky Silberstein geschrieben. Ich könnte ihn in Gänze zitieren, also lest ihn einfach.

Die benannten Fakten sind alle nicht neu, sondern längst belegt, werden aber immer wieder mit einer beeindruckend hartnäckigen Ignoranz und schmollendem Beleidigt sein gewürdigt.

Viel muß man dazu auch nicht mehr ergänzen, nur 2 oder 3 kleine Anmerkungen von mir, denn die „Gegenargumente“, wenn mal welche kommen, sind ja auch immer die gleichen.

„Wir sind nun mal ein christlich geprägtes Land und unsere Werte stammen aus dem Christentum“

Unsere Werte (Demokratie, Humanismus, Menschenrechte, Gleichberechtigung) sind kein Produkt des Christentums, sondern mußten hart gegen die Kirchen erkämpft werden. Bis auf Weißrussland ist der einzige europäische Staat, der bis heute die europäische Menschenrechtskonvention nicht unterzeichnet hat, der Vatikan. Wie sich die Kirche trotzdem anmaßen kann, dass sie mit ihren „Werten“ unsere Gesellschaft geprägt hat, kann man nur mit Größenwahn und Verlogenheit erklären.

„Aber die Kirchen tun doch so viel Gutes“

Wenn überhaupt, tun Menschen Gutes, und nicht Kirchen. Und wer Menschen unterstellt, ihr gutes Handeln beruhe nicht etwa auf einer normalen menschlichen Empathie, sondern nur auf einer Konfession und damit auf der Hoffnung auf ein Ticket ins Paradies, der tut mir ernsthaft leid für sein Menschenbild.

Im Namen der Kirchen wird gutes getan, das stimmt wohl. Aber keineswegs ist auch überall tatsächlich Kirche drin, wo Kirche draufsteht. Vor allem, wenn es um Finanzen geht. Bischofsgehälter und konfessionelle Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie seien nur als Beispiele genannt.

„Das Nazi-Regime war auch atheistisch“

ROFL. Klassische Geschichtsverfälschung ersten Ranges (mal ganz abgesehen von dem armseligen Argumentationsmuster). Die unheilige Kooperation zwischen der katholischen Kirche und Hitler ist hinreichend belegt und hat dazu geführt, dass die Kirchen bis heute Einfluß in Politik und Wirtschaft haben und der Staat heute noch milliardenschwere Kirchensubventionen leistet, die JEDER (auch jeder Anders- und Nicht-Gläubige mit seinen Steuerzahlungen mitträgt. Man informiere sich im Falle des Zweifels über das „Reichskonkordat„.

All das wird aber nicht gern gehört, sondern wie gesagt eher schmollend ignoriert. Weil, religiöse Gefühle und so. Offenbar sind die mehr Wert als Fakten. Nun ja…