#Pflege: Krisengespräch

Bezugnehmend auf meinen Tweet

möchte ich eine Geschichte erzählen.

Es gab in den vergangenen Wochen mehrere Krisengespräche mit Kollegen. Auch ich wurde zum Vorgesetzten zitiert.
Das Gespräch lief etwa folgendermaßen ab (sinngemäß und verkürzt aus dem Gedächtnis widergegeben)

WBL: Ich kenne Sie seit mehreren Jahren und schätze Sie als kompetente Fachkraft, auf die ich mich immer verlassen kann. Immer da, nie krank, beliebt bei allen Kollegen. Aber in letzter Zeit sehe ich eine Motivationsminderung. Was ist los bei Ihnen? Haben Sie ein Problem?

Ich: Sie wissen, dass wir hier alle an unseren Grenzen arbeiten.

WBL: Warum kommen Sie nicht zu mir, wenn Sie Hilfe brauchen?

Ich: Ich bin nicht der große Jammerer, der sofort so Ihnen gerannt kommt, wenn es ihm mal schlecht geht. Es staut sich eben mit der Zeit einiges an.

WBL: Aber wie kann ich Ihnen denn helfen?

Ich: Das wissen Sie sehr genau. Wir haben zu wenige Fachkräfte. Einer allein für 35 Demenzkranke verantwortlich. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Ich überlege ernsthaft, von den 100% runter zu gehen, weil ich nicht mehr kann. Ich habe Schmerzen, kann nicht mehr schlafen und nehme jeden Tag Probleme von der Arbeit mit nach Hause.

WBL: Es wird vorerst keine neue FK geben. Es werden Betten reduziert und dementsprechend auch das Personal.

Ich: Im Moment wird nur Personal reduziert, aber keine Betten. Es ziehen neue Bewohner ein, aber für wegfallendes Personal kommt kein Ersatz. Für „abc“ und „xyz“ ist auch kein Ersatz gekommen.

WBL: Setzen Sie Prioritäten. Geben Sie auch mal Aufgaben ab, damit Sie sich auf wichtige Dinge konzentrieren können.

Ich: Das fällt mir schwer. Ich sehe doch, dass alle Kollegen auch rennen wie die Irren und ihre Arbeit kaum schaffen. Und dann sollen die auch noch meine Pflegearbeit übernehmen?

WBL: Sie müssen lernen, sich auch mal unbeliebt zu machen.

…….

Grandiose Idee. Wenn das die Antwort auf alle Probleme ist, ist ja alles gut. Ich werde einfach zum Arschloch, das die Kollegen herumscheucht und zusätzliche Aufgaben verteilt, damit ich alles schaffe, was zusätzlich anfällt.

Ich denke darüber nach.