Vergewaltigung in Gefängnissen – ein Zusammenspiel von Macht und Hierarchien vs. Triebabbau

Es ist eine Studie erschienen, die zeigt, dass Vergewaltigungen in Gefängnissen zurückgegangen sind, nachdem die Insassen unüberwachte Besuche haben durften, also die Möglichkeit zum Geschlechtsverkehr hatten. Evolutions-Christian sieht daraus seine Theorie bestätigt, dass Vergewaltigungen keinen Machtmißbrauch darstellen, sondern sexuell initiiert sind, weil durch den Triebabbau die Lust auf Sex befriedigt ist und demnach weniger Vergewaltigungen stattfinden.

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Wenn Strauss-Kahn eine Frau wäre…

Zur Frage, was wäre, wenn Strauss-Kahn eine Frau wäre, liefert die Welt einen interessanten Artikel.

Die Affäre um den Spitzenbanker beweist, dass nicht nur die Insignien der Macht, sondern sogar unsere Imaginationen von ihr männlich besetzt sind.

Man stelle sich folgende Szene vor: Eine Frau, Anfang sechzig und schon leicht teigig im Gesicht, Direktorin eines der für die Weltwirtschaft wichtigsten Unternehmen, kommt auf einer Geschäftsreise nackt aus dem Marmorbad und wirft sich, tierhaft und gierig, auf den dreißig Jahre jüngeren Hotelangestellten, der gerade dabei ist, ihr Bett zu machen.

Von Schockwellen, die durch die Finanzwelt gingen, war die Rede, als am Wochenende einer ihrer Einflussreichsten wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung festgenommen wurde. Sicher: Die Angelegenheit ist schockierend, und, sollte sich der Verdacht bestätigen, ein Verbrechen. Die Dimension des Skandals aber reicht weiter.

Ob in Politik, Wirtschaft oder Medienkreisen, in den Machtzentren Europas sind in den letzten Monaten die Möglichkeiten von Frauen diskutiert worden. Man sprach über Quoten, das Recht auf gleiches Gehalt und Lebensmodelle, die es ermöglichen, nicht nur zu arbeiten, sondern auch Kinder zu haben, Affären oder beides.

Im Hintergrund stand das Wissen darum, dass Frauen zuerst durch ihr Geschlecht, Aussehen und Auftreten wahrgenommen werden, als befände man sich nicht im einundzwanzigsten Jahrhundert, sondern in einem provinziellen Tanzlokal der fünfziger Jahre: die offenen Benachteiligungen und verdeckten Arroganzen sind bekannt.

Bis sie überwunden sind, steckt man fest. Stellt man sich nämlich Dominique als Madame vor und nicht als Monsieur, gibt es genau zwei mögliche Denkbilder: das der derangierten Matrone, deren wogender Busen den verschüchterten Hotelboy erdrückt, oder das der Sharon-Stone-artigen Kostümträgerin, die lasziv die streng zurückgebundenen Haare löst. Beides sind Männerphantasien, negative und positive, aus Motiven von Stammtischen und Billigpornos zusammengesetzt.

Was das bedeutet? Die Affäre aus New York verlangt nicht nach der Schwanz-ab!-Rhetorik eines gealterten Feminismus oder neoidealistischen Amazonen-Utopien. Sie zeigt ganz einfach, dass nicht nur die Insignien der Macht, sondern sogar unsere Imaginationen von ihr männlich besetzt sind. Eine etablierte und erkennbare Form weiblicher Macht gibt es nicht.

Aus der Verbindung von Geschlecht und Macht nun zu schließen, Männer in Führungspositionen dächten zuallererst aus der Hose heraus, wäre absurd. Gar nicht so absurd ist es zu behaupten, dass man erst dann, wenn man sich eine weibliche Dominique ernsthaft vorstellen kann, auch bereit ist, Frauen als Mächtige als eine Selbstverständlichkeit sehen zu können. Bis es soweit ist, muss sich jede Frau mit der Möglichkeit auseinandersetzen, dass hinter dem Anzugträger, der ihr gegenüber sitzt, nicht einfach jemand steckt, der seine Arbeit macht, genau wie sie auch, sondern ein Wildschwein in Nadelstreifen.

Was ich mich hier spontan frage, warum es erst eine weibliche Dominique braucht, damit Frauen in Machtpositionen selbstverständlich werden. Klar ist, dass Frauen in Machtpositionen ihre Macht genauso mißbrauchen können wie Männer. Inwieweit sie es genauso tun, lassen wir mal dahingestellt. Unklar ist mir, warum dieses negative Privileg für Frauen Voraussetzung sein soll, um überhaupt wahrgenommen zu werden.