„nur Arschputzen?“ – Was Pflegende leisten

Durch privaten Mailkontakt mit einem männerrechtlichen Kommentator bin ich auf die Idee gebracht worden, einen Beitrag darüber zu schreiben, welche Klischeevorstellungen zum Thema Pflege sehr weit verbreitet sind. Auslöser waren die zT doch sehr unwissenenden Kommentare unter Erzählmix’s Comic über Sozialarbeit. Mein erster Gedanke dazu war „gibts doch alles schon“. Es gibt einige sehr gute und interessante Pflegeblogs, zB Pflegewecker, die „Pisspage“, oder auch Anerkennung-Pflege (gibt noch mehr, aber die fallen mir spontan ein, wer will, kann in den Kommentaren gern ergänzen), die aber außerhalb der Insider kaum bekannt sind. Auch bei unserem Pflegestreik-Treffen war das lebhaftes Diskussionsthema. Einstimmiger Konsens: „mehr Öffentlichkeit, aber weg von der Scheiße“. Damit gemeint war das Bestreben, Pflege als ganzheitliche Arbeit positiv darzustellen und wertzuschätzen und nicht auf „Scheiße wegputzen“ zu reduzieren. Denn seien wir ehrlich, genau das ist doch das Bild, das die allermeisten von der Pflege haben. Die erste Assoziation ist doch das Bild einer vollgeschissenen Windel, oder? Aber Pflege ist weit mehr als das. Natürlich gehört die Intimpflege von Menschen auch dazu. Aber unterm Strich macht das etwa 2% aller Aufgaben einer Pflegefachkraft aus. Unter dem Hashtag #Pflegekann kann man in Kurzfassung einiges verfolgen, was Pflege alles bedeutet.

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Abgeschoben…

Ich hatte letztens mal eine Diskussion mit einer Kollegin, die ihrerseits von einer Freundin berichtet hat, die jahrelang ihre Mutter zu Hause gepflegt hat, bis sie nicht mehr konnte und die Versorgung der Mutter schließlich in eine Pflegeeinrichtung abgegeben hat. Die Mutter litt zunehmend an Demenz, verstand den Sinn der täglichen Pflege nicht mehr, richtete ständig Chaos im Haushalt an, wenn die Tochter nicht aufpasste. Sie konnte nicht mehr arbeiten gehen, weil die Mutter rund um die Uhr Betreuung brauchte. Das wollte sie nun ändern und brachte die Mutter in ein Heim.

Nun trat etwas ein, was häufig vorkommt. Sie fühlte sich schuldig, ihre Mutter abgeschoben zu haben und fragte sich, ob sie „eine schlechte Tochter sei“. Schließlich habe die Mutter ihr ganzes Leben lang alles für sie getan und sie sei zum Dank jetzt so egoistisch. Sie ließ die Pflegekräfte ihre Schuldgefühle spüren, indem sie einfach nicht loslassen konnte. Sie besuchte ihre Mutter fast täglich, übernahm einen Teil der Pflege selbst. Brachte sie zur Toilette, gab ihr Essen etc. Ob aus schlechtem Gewissen oder weil sie Schwierigkeiten damit hatte, den Pflegekräften zu vertrauen und glaubte, sie würden die Mutter nicht so gut pflegen können wie sie, kann ich nicht sagen. Das wußte sie wahrscheinlich selbst nicht so genau.

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Demenz – keine Unterstützung für Angehörige

„Monitor“ am 09.09.2010:

Immer mehr Menschen erkranken in Deutschland an Demenz. 1,2 Millionen Menschen sind es heute, bis 2050 soll sich ihre Zahl verdoppeln. Die meisten von ihnen müssen von ihren Angehörigen rund um die Uhr betreut werden. Dennoch erhalten viele nicht die nötige Pflegestufe, weil das Gesetz hauptsächlich körperliche Gebrechlichkeit als Maßstab der Hilfsbedürftigkeit ansieht. Körperlich sind viele Demenzkranke jedoch lange Zeit noch fit, ihre geistigen Schwächen werden dagegen nicht hinreichend erfasst. Abhilfe schaffen könnte ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff, über den seit 15 Jahren diskutiert wird. Doch die Politik schiebt die Reform der Pflege weiter vor sich her.

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