mein Beitrag zu #Ostern: Einfluss, Sonderrechte und Machtanspruch der Kirchen

Da nun gerade an Ostern wieder die Diskussionen rund das Thema Religion, Glauben, Christentum etc gehäuft auftreten, will ich mal ein paar Gedanken dazu ordnen.

Und ich will vorwegschicken, dass ich mich hier recht religions-/kirchenkritisch äußern werde. Wer also befürchtet, dass Religionskritik – wohlbemerkt Kritik an institutioneller Religion, keine Glaubenskritik! – seine religiösen Gefühle verletzt, liest besser nicht weiter. Wobei es mir natürlich fernliegt, persönlichen Glauben zu verletzen.
Bin aber auch auf Gegenargumente gespannt.

Ich habe ein recht ambivalentes Verhältnis zur Religion.

Ich bin religionsfrei erzogen worden, und habe auch keine religiöse Schulbildung erhalten. Obwohl mich Ethikuntericht interessiert hätte, aber der wurde zu meiner Schulzeit nicht angeboten. Trotzdem kam ich in gewisser Weise mit Religion in Kontakt, da ich natürlich mit christlichgläubigen Menschen in meinem Umfeld aufgewachsen bin. Allerdings habe ich das eher in negativer Form in Errinnerung, da ich mich deutlich an eine Schulkameradin erinnere, die immer versucht hat, zu missionieren und mich das sehr genervt hat. Insofern war ich froh, dass ich sowohl in der Schule als auch im Elternhaus weitestgehend davon verschont blieb.
Das blieb auch Jahre später im Erwachsenenalter so und ich kann mich nicht errinnern, etwas vermisst zu haben. Etwas mehr beschäftigt hat mich das erst, seit ich in meinem Beruf zwangsläufig mit existentiellen, spirituellen und religiösen Themen und Fragen konfrontiert werde. Siehe dazu hier

Man kann also nicht sagen, dass ich dogmatischer Atheist sei, der Glauben grundsätzlich für phantastische Spinnerei hält. Im Gegenteil.

Womit ich aber ein großes Problem habe, ist die institutionelle Religion und deren Machtanspruch. Wenn ich an das gerade sehr aktuelle Beispiel des Tanzverbotes an Karfreitag denke, fällt mir sehr auf, wie stark die Kirchen in das Leben aller Menschen eingreifen, nicht nur bei Gläubigen. Ich lese immer wieder, dass man sich mal nicht so aufregen soll, dass man mal an einem Tag im Jahr nicht tanzen darf. Und wer tanzen will, der soll dann auch arbeiten.
Das halte ich für viel zu kurz gedacht. Denn es geht nicht ums Tanzen oder ums Arbeiten. Die Kirche erlaubt sich hier einen Eingriff in das Privatleben aller Menschen, die den Glauben überhaupt nicht teilen und denen es ketzerisch gesagt scheißegal ist, wer da warum vor 2000 Jahren gestorben ist.
Wobei das Gewese um das Tanzverbot ja tatsächlich eher eine Nebensache ist. Mich ärgert das eher prinzipiell, nicht weil ich unbedingt an diesem einen Tag tanzen muß.

Viel bedenklicher finde ich die Tatsache, dass die Kirchen jedes Jahr Staatsgelder in schwindelerregenden Höhen kassieren. Und das nicht etwa, um kirchliche Sozialarbeit zu unterstützen, sondern zB auch um ihre innerkirchlichen Amtsträger zu finanzieren. Gleichzeitig erlauben sich zB Diakonie und Caritas, die beiden größten konfessionellen Arbeitgeber nach dem Staat (natürlich auch zum größten Teil vom Staat finanziert) Sonderregelungen im Arbeitsrecht, die dem allgemeinen Gleichstellungsgesetz komplett widersprechen. Man denke nur an das Streikrecht oder die Diskrminierung homosexueller, geschiedener oder konfessionsfreier Mitarbeiter.
Siehe dazu hier oder hier

Kleine Tweetreihe dazu von mir, wo ich diese Gedanken versucht habe, in Kürze zusammenzufassen.

Ich habe im Zuge dieser Überlegungen natürlich auch Gegenargumente gehört und gelesen.

„Niemand muß der Kirche beitreten und Kirchensteuern zahlen. Alles freiwillig“

Der Kirchenbeitritt mag freiwillig sein. Aber wie oben belegt, finanziert JEDER steuerpflichtige Bürger die Kirchen zwangsweise mit. Von einem säkularen Staat, einer Trennung von Kirche und Staat sind wir also weit entfernt.

„Ohne die Kirchen wäre ein soziales Miteinander in Deutschland nicht möglich, denke man an die vielen ehrenamtlich Tätigen in den Gemeinden und sozialen Einrichtungen.“

Doch, wäre es. Aus finanzieller Sicht sowieso. Aber man muß auch kein religiöser Mensch sein, um sich für andere einzusetzen. Da reicht gesunder Menschenverstand und ein normales Maß an Empathie.
Es ist unbestritten, dass viele Menschen unverzichtbare Arbeit im Bereich der Kirchen leisten. Aber sollte man ihnen wirklich unterstellen dass sie das nur tun, weil sie an Gott glauben und auf ein ewiges Leben im Himmel hoffen? Ist es nicht wahrscheinlicher (oder wäre jedenfalls aus humanistischen Gesichtspunkten für sie zu hoffen), dass das einfach hilfsbereite Menschen sind, die auch ohne Kirchen sozial engagiert wären?

2. großes Problem, das ich nennen will, ist die Indoktrination und Manipulation von Kindern. Jeder Mensch muß seine Religion oder Nicht-Religion frei wählen können und ich halte es für grob fahrlässig, Kindern mit Märchen über Hölle und Teufel bewußt Angst zu machen, wenn sie sich nicht an diese oder jene Regeln halten. Natürlich obliegt es der Erziehungsfreiheit der Eltern, ihre Kinder gemäß ihres Glaubens zu erziehen, aber gezielt mit Angstbildern zu arbeiten, halte ich für eine infame Strategie der Kirchen, um ihre Macht zu festigen.
Daher halte ich auch den Religionsunterricht an Schulen für verzichtbar und stattdessen einen Ethikunterricht, der sich undogmatisch und vorurteilsfrei mit allgemeinen Fragen um Religionen und Weltanschauungen befasst, für wesentlich sinnvoller.

3. Problem: Vom Frauenbild in den Kirchen will ich gar nicht erst anfangen…

(PS. Ich hoffe, ich bin damit niemandem persönlich auf die Füße getreten.)