Die Übergriffe von Köln und die Scheinheiligkeit der neuen „Frauenrechtler“

Ich will dazu gar nicht viele Worte machen, sondern verweise einfach auf diesen Artikel der „Wienerin“, die gut zusammenfasst, was mich an der Debatte darum stört.

Alle sind sich einig, dass die Silvesternacht in Köln traurige Schlagzeilen macht und sind alle über die Brutalität der Vorfälle betroffen. Besonders laut ist aber die Betroffenheit interessanterweise gerade bei denen, die sich bisher nicht mit dem größten Verständnis für die seit Jahren gegen sexuelle Gewalt kämpfenden Menschen hervorgetan haben. Um es mal vorsichtig auszudrücken.
Wo waren diese neuen Betroffenen, als Tausende Frauen unter #Aufschrei das Thema endlich populär gemacht haben? Wo sind sie, wenn irgendwo ein Fall von Vergewaltigung durch die Medien geistert? Da sind sie still oder verfallen in altem Beißreflex in das Herunterbeten sämtlicher Vergewaltigungsmythen oder bezeichnen Frauen, die über diese Vorfälle berichten, kurzerhand als hysterische Männerhasserinnen oder Lügnerinnen.

Aber jetzt werden sie auf einmal laut. Weil ihnen das Thema sexuelle Gewalt und Frauenrechte auf einmal so am Herzen liegt? Oder nicht doch eher, weil diesmal „die Täter und somit die Feinde gleichzeitig die „Fremden“ sind“ und „sich auch weiße westliche Hetero-Männer damit identifizieren können“, wie es die Wienerin so schön formuliert?

Ich unterstelle, keinem von denen geht es tatsächlich um die Opfer. Es gibt unzählige Möglichkeiten, seine Solidarität mit Betroffenen zu beweisen. Lediglich auf einen Zug aufzuspringen, der nur das Ziel hat, rassistische Ressentiments zu bedienen, ist da wenig hilfreich.

Du willst es doch auch.

Muschimieze mit einem sehr lesenswerten Beitrag über ihre Beobachtungen und Gedanken darüber, wie wir in unserer ach so aufgeklärten und weit entwickelten westlichen Gesellschaft mit sexueller und sexualisierter Gewalt umgehen.

MUSCHIMIEZE

Was sind wir weit entwickelt. Denken wir wohlwollend. Meistens über uns selber.

Kritisch wird beäugt, was „woanders“ verbrochen wird. Sei es die Kriminalisierung von Homosexualität, die Tabuisierung von Transsexualität oder die offensichtliche, strukturelle und in Gesetze zementierte Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen*  – so rückständig! Und vor allem so weit weg. So weit weg von uns. (1)

Wenn du hier in Berlin als junge Frau* auf eine Party gehst, wundert sich niemand, dass du studierst oder arbeiten gehst, dir deine_n Partner_in selber ausgesucht hast oder andere Dinge tust, die eigentlich selbstverständlich sein sollten – es aber für viele frauisiert gelesene Personen auf dieser Welt nicht sind. Meistens bin ich dankbar dafür, hier zu leben. Manchmal ernüchtert mich jedoch die bittere Erkenntnis, dass eben jenes Gefühl, in einer ach-so-weit-entwickelten Gesellschaft zu leben, manche Menschen über die Tatsache hinweg zu täuschen scheint, dass sie in ihrem Denken, trotz aller Bildung und Fortschritt…

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Pick Up und sexuelle Gewalt

Die Geschichte von @ Stella aus dem Strang „Lest PU-Webseiten“ wollte ich noch mal gesondert betrachten, und zwar unter dem Gesichtspunkt, wie eng die Themen Pick up und sexuelle Gewalt miteinander verknüpft sind. Auch wenn es vehement abgestritten wird, und beschworen wird, es ginge nur um Verführung, ist doch hinlänglich bekannt, dass PUpper kaum Grenzen kennen, um an ihr Ziel zu kommen. Mit Lügen, hinterhältigen Tricks und billiger Hobbykellerpsychologie werden Frauen manipuliert, ihre Unsicherheiten ausgenutzt, ihr Ego gezielt abgewertet. Damit gehen sie auch ganz offen um, denn sie halten es für ein legitimes Vorgehen und sind überzeugt, dass eine unsichere, selbstkritische Frau eh nicht weiß, was sie will, also muß man ihr zeigen, was sie wollen soll. Weil das findet sie dann ganz toll. Oder so.

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Teilnehmer für eine Studie zu sexueller Gewalt gesucht

Weil es gerade ein so trauriges Laufband an Berichten zu sexueller Gewalt bzw deren skandalösen Urteilen zu verlauten gibt, hier eine Pressemitteilung der Uni Heidelberg

Pressemitteilung

Heidelberg, 13. September 2012

Opfer sexueller Gewalt: Teilnehmer für Studie gesucht
Institut für Kriminologie untersucht Anzeigeverhalten bei Übergriffen

Für eine Studie zu sexueller Gewalt sucht das Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Opfer eines Übergriffs wurden. Das Forschungsprojekt soll die Frage nach den Bedingungen des Anzeigeverhaltens von Opfern beantworten: Von welchen Faktoren hängt es ab, dass sexuelle Übergriffe verschwiegen werden oder die Polizei informiert wird? „Übergeordnetes Ziel ist es, aus den berichteten Erfahrungen konkrete Maßnahmen abzuleiten, um Unterstützungsangebote für Betroffene zu verbessern und weiterzuentwickeln“, erklärt die Psychologin Dr. Angelika Treibel vom Institut für Kriminologie. Gesucht werden Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, die als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener Opfer eines sexuellen Übergriffs wurden.

Sexuelle Gewalt zählt laut Dr. Treibel zu den Straftaten mit dem größten Dunkelfeld, auch wenn die Mitteilungs- und Anzeigebereitschaft in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt gestiegen ist. „Systematische Erkundungen zur Frage, welche Faktoren die Mitteilungs- und Anzeigebereitschaft hemmen oder fördern, sind dünn gesät, diese Forschungslücke wollen wir schließen“, erklärt Dr. Treibel. Die zweijährige Studie, die im September 2012 beginnt, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Für die Studienteilnahme spielt es keine Rolle, ob der Übergriff angezeigt wurde und was die genauen Umstände der Tat waren. Die etwa einstündigen Interviews mit Betroffenen werden anonym ausgewertet. Wer an der Studie teilnehmen möchte oder nähere Informationen erhalten will, kann sich ab sofort telefonisch unter 06221/54-7479 oder 01577-2715304 oder per Mail an treibel@krimi.uni-heidelberg.de melden.