Männliche und weibliche Genitalbeschneidung – nur Opfer und Täterinnen?

Beim Piratenweib wird gerade über das Thema der Genitalbeschneidungen, deren Grausamkeit und vor allem deren Täterinnen diskutiert. Ich greife das mal hier auf, um auf einen Punkt hinzuweisen, der gern ignoriert wird.

Zum Beispiel gibt ein User an, Mitleid mit beschnittenen Mädchen zu haben und fordert, dass die Verbrecherinnen (also die Beschneiderinnen) gestoppt werden. Meine darauffolgende Frage, wer denn dann die Verbrecher der Jungenbeschneidung stoppt (das wurde vorher thematisiert, auf die Opfer hingewiesen, aber Sanktion der Täter wurde nicht gefordert), ist bislang unbeantwortet. Das wundert mich nicht, denn bislang hat diese Frage noch niemand beantwortet.

Also wer stoppt nun diese Täter? Ich frage das immer wieder und so lange, wie Maskulisten bei weiblicher Beschneidung nur Täterinnen, bei männlicher nur Opfer thematisieren. Diskussionen ums Thema sind schön und gut, aber dann bitte auch konsequent. Aber konsequent sind die nur dabei, diese Frage zu ignorieren.

Die einzige Erklärung, die es rechtfertigen würde, die Täter männlicher Beschneidung unter den Teppich zu kehren, wäre die Tatsache, dass beschnittene Männer im Allgemeinen weit weniger negative Spätfolgen in ihrem Sexualleben zu befüchten haben als beschnittene Frauen. Ihnen ist immerhin ein normales funktionierendes Sexualleben möglich. Den Frauen nicht. Jedenfalls nicht im Sinne von schmerzfrei und befriedigend. Aber diese Erklärung würde ja das Eingeständnis bedeuten, dass weibliche Beschneidung schlimmer ist. Ein absolutes NoGo in der maskulistischen Argumentationswelt.

Also. Entweder werden Beschneider ebenso thematisiert, angeprangert und zur Verantwortung gezogen wie Beschneiderinnen, oder männliche Beschneidung kann doch nicht so schlimm sein. Dazwischen sehe ich keinen argumentativen Spielraum. Wohl genau deswegen wird sich darüber ausgeschwiegen.

Über die Besonderheit von Vergewaltigungen

Patrick hat auf seinem Blog einen sehr guten Artikel geschrieben, der die „Besonderheit“ von Vergewaltigungen beleuchtet. Bei kaum einem anderen Verbrechen spalten sich die Gemüter mehr und auch bei kaum einem anderen Verbrechen werden Täter mehr zu Opfern und Opfer zu Tätern gemacht. Bei kaum einem anderen Verbrechen wird vordergründig mehr über eine mögliche eigene Schuld des Opfers spekuliert, oder diese gar von Vornherein einfach vorausgesetzt.
Das Problem, das Vergewaltigungen von anderen Verbrechen unterscheidet, ist die massive Schamgrenzüberschreitung. Und ein derart massiver Eingriff in die Intimsphäre eines Menschen und dessen Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit ist immer mit Scham verbunden, weil unsere tolle Gesellschaft dahingehend indoktriniert ist, einer Frau grundsätzlich eine Mitschuld zu geben, wenn ein Mann über sie herfällt. Wahrscheinlich war sie eben zu sexy und/oder hat provoziert. Und eine anständige Frau tut sowas eben nicht. Und diese Scham oder die Vorstellung dessen, was einer Frau blüht, die nicht schweigen will, hält so viele Betroffene davon ab, Anzeige zu erstatten. Das nicht nur in Frage stellen, sondern das regelrechte in Abrede stellen der Glaubwürdigkeit des Opfers und der Tat selbst, die Unterstellung der Mitschuld, der Vorwurf, sich nicht deutlich genug gewehrt oder klar genug „NEIN“ gesagt zu haben, das Nachforschen und Zurschaustellen des bisherigen Privat- und Intimlebens (bevorzugte Kleidung, Alkoholkonsum, Kontaktfreudigkeit, Anzahl der sexuellen Beziehungen,…) und sexueller Vorlieben, das höhnische Verreißen in den Medien und Internetplattformen, öffentliche Solidarisierungsbekundungen mit Tätern, verbale Ohrfeigen und lächerliche „Entschuldigungen“ und Rechtfertigungen wie „man sei halt auch nur ein Mann“, „sie habe es doch sicher so gewollt“, und schlußendlich die viel zu oft viel zu milden Urteile. All das trägt zur Zurückhaltung vieler Opfer und zur traurigen Besonderheit von Vergewaltigungen bei.