„nur Arschputzen?“ – Was Pflegende leisten

Durch privaten Mailkontakt mit einem männerrechtlichen Kommentator bin ich auf die Idee gebracht worden, einen Beitrag darüber zu schreiben, welche Klischeevorstellungen zum Thema Pflege sehr weit verbreitet sind. Auslöser waren die zT doch sehr unwissenenden Kommentare unter Erzählmix’s Comic über Sozialarbeit. Mein erster Gedanke dazu war „gibts doch alles schon“. Es gibt einige sehr gute und interessante Pflegeblogs, zB Pflegewecker, die „Pisspage“, oder auch Anerkennung-Pflege (gibt noch mehr, aber die fallen mir spontan ein, wer will, kann in den Kommentaren gern ergänzen), die aber außerhalb der Insider kaum bekannt sind. Auch bei unserem Pflegestreik-Treffen war das lebhaftes Diskussionsthema. Einstimmiger Konsens: „mehr Öffentlichkeit, aber weg von der Scheiße“. Damit gemeint war das Bestreben, Pflege als ganzheitliche Arbeit positiv darzustellen und wertzuschätzen und nicht auf „Scheiße wegputzen“ zu reduzieren. Denn seien wir ehrlich, genau das ist doch das Bild, das die allermeisten von der Pflege haben. Die erste Assoziation ist doch das Bild einer vollgeschissenen Windel, oder? Aber Pflege ist weit mehr als das. Natürlich gehört die Intimpflege von Menschen auch dazu. Aber unterm Strich macht das etwa 2% aller Aufgaben einer Pflegefachkraft aus. Unter dem Hashtag #Pflegekann kann man in Kurzfassung einiges verfolgen, was Pflege alles bedeutet.

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Warum Antifeminismus nichts mit Humanismus zu tun hat

Wenn sich Antifeministen damit brüsten, die besseren Menschen als Feministen zu sein (und das tun sie alle), kann ich nur müde den Kopf schütteln. Das hat im Wesentlichen seinen Grund darin, dass der Antifeminismus eine reine Trotz-und Bashing-Ideologie ohne eigene Inhalte ist, die einfach nur „dagegen“ ist, wie ja der Name schon sagt. Dass sich menschenfeindliche Gesinnungen wie Rassismus und Homofeindlichkeit dort auch zu Hause fühlen, ist auch weder Geheimnis, noch Seltenheit. Dennoch bilden sie sich ein, ein humanistisches Weltbild zu vertreten, in dem alle Menschen glücklich sind. Sie sind schließlich gegen das Böse, das ultimate evil, die Wurzel allen Übels schlechthin. Sie sind die wahren Kämpfer für eine bessere Welt, in der Frauen Frauen, und Männer Männer sein dürfen. Das macht sie einfach zu besseren Menschen. Und überhaupt. Blablub.

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Arbeiten in der #Altenpflege, was heißt das eigentlich?

Die meisten Menschen haben de facto keine Ahnung, was das Berufsbild einer Pflegekraft ausmacht. Im Kopf schwirren meist nur die Begriffe Händchen halten, füttern, windeln und waschen herum. Ein dementsprechend niedriges Ansehen hat der Beruf und dementsprechend kursiert auch das Klischee, das ja eigentlich jeder pflegen könne, weil, das kann ja nicht so schwer sein. Oder so.
Dass das meilenweit an der Realität vorbeigeht, und an eine Pflegekraft enorme fachliche und persönliche Anforderungen gestellt werden, wissen natürlich all die, die sich mal eingehender mit dem Thema beschäftigt haben, bzw natürlich die, die unmittelbar selbst betroffen sind.

Was leistet eine Pflegekraft eigentlich, was gehört zu ihren Aufgaben?
Wie sieht der Alltag in der Pflege aus?
Was motiviert Menschen, in die Pflege zu gehen?
Welches Ansehen hat die Pflege in Politik und Gesellschaft?
Was nützt uns die Pflegereform?
Warum genießt die Pflege so ein geringes politisches Interesse?

Zu diesen und mehr Fragen wird wieder mal im Deutschlandfunk diskutiert.

Warum der #Pflegestreik ein feministisches Thema ist

Zum ersten Mal fiel er mir Ende Juni in die Augen. Der Hashtag #Pflegestreik. Damals hab ich noch gar nicht so richtig wahrgenommen, welche Bedeutung er eigentlich hatte.
So richtig bewußt wurde er mir ein paar Tage später. Ich klickte mich durch und dachte

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Der #Pflegestreik. Mein Alltag und meine Lieblingstweets

Der #Pflegestreik auf Twitter hat mich in den letzten Tagen massiv berührt und die vielen Tweets dazu sind hauptsächlich in zwei große Aussagen unterteilt. Erstens das inhaltliche Problem des Pflegenotstandes und die Betonung der großen Verantwortung und der harten Arbeit, die wir Pflegekräfte jeden Tag leisten. Und zweitens die Ignoranz, die alle großen Medien dazu an den Tag legen. Der Pflegestreik scheint einfach kein Thema zu sein, mit dem man sich auseinandersetzen will. Keine Berichterstattung in den Nachrichten, bis auf wenige Ausnahmen auf einigen Seiten und persönlichen Artikel auf diversen Blogs kaum Artikel in Online-Medien. In den großen Medien wie der Zeit, Welt, FAZ, TAZ etc oder im TV kein Wort dazu. Im Gegensatz zu den Streiks bei der Deutschen Bahn, der Post, den Piloten oder in Kitas hat der Pflegestreik keine Relevanz. Berichtet wird nur über Skandale und Skandälchen, wenn in irgendeinem Krankenhaus oder Pflegeheim was dramatisches passiert ist und man sich über unmögliche Zustände beklagt. Die Ursachen dafür sind aber keine Beachtung wert. Darüber gibt es auf Twitter die berechtigte Empörung.

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Die wahren Leistungsträger

Weil mich die Adventszeit wie jedes Jahr wieder ziemlich nachdenklich macht, hier mal wieder ein paar Gedanken darüber, wie unsere Gesellschaft Menschen in 2 Klassen einteilt und bewertet. Dabei habe ich über den Begriff „Leistungsträger“ nachgedacht. Und ich habe beschlossen, das zu meinem persönlichen Unwort des Jahrzehnts zu machen.

Wenn wir von Leistung reden, denken wir an monetären Wert von Arbeit. Wir denken an Top-Manager, an Führungskräfte, an Projektleiter, die Aufgaben delegieren, an hohe Einkommen, an große Geldbeträge, die hin- und hertransferiert werden, an alte Männer in dunkeln Nadelstreifen, die Golf spielen und keine 5 Minuten ohne Handy auskommen.

Wir denken nicht an die Menschen, die ihre Leistung zwar auf kleinerer, aber keineswegs minderwertigerer Ebene erbringen.
Menschen, die dafür sorgen, dass Straßen und Gebäude nicht im Dreck versinken.
Menschen, die dafür sorgen, dass andere Menschen wieder gesund und leistungsfähig werden.
Menschen, die Kinder zu anständigen Menschen erziehen und ihnen Bildung vermitteln.
Menschen, die Leben retten.
Menschen, die Lebensmittel herstellen, die wir täglich wie selbstverständlich in allen Supermarktregalen erwarten.
Menschen, die sich ehrenamtlich in der Feuerwehr, in Suppenküchen, oder Heimen einsetzen.

Wenn wir diese Arten von Leistung gegenüberstellen und uns vorstellen, was passieren würde, wenn die einen oder anderen ihre Leistung verweigern würden, wie würde das aussehen?

Stellen wir uns also vor, alle Büros, Führungsetagen, Banken, Konferenzräume wären einen Tag geschlossen.

Und stellen wir uns nun vor, alle Reinigungskräfte, Müllfahrer, Krankenhäuser und Pflegeheime, Rettungsdienste, Bäcker, Landwirte, … würden einen Tag die Arbeit niederlegen.

Wenn wir uns überlegen, welches Szenario welche unmittelbaren Folgen hätte, wird klar, wer die wahren Leistungsträger sind.

Boy’s Day 2011

Am 14. April ist Boy’s Day, der Jungen Einblicke in einige sogenannte typische Frauenberufe bieten soll. Die Mädchenmannschaft berichtet darüber und prompt kommen Proteste, auf die ich ja nur gewartet habe.
Es wird sich darüber mokiert, dass „sowas ja gar nicht ginge, dass Mädchen gut bezahlte, und Jungen schlecht bezahlte Berufe vorgestellt werden“.

Da frage ich doch mal, warum geht das nicht? Was ist falsch daran, ein paar Berufsfelder vorzustellen und Einblicke zu ermöglichen? Angst, dass sich Jungs daraufhin für „Frauenjobs“, und Mädchen für „Männerjobs“ entscheiden, weil das eben ihren Interessen entspricht? Wo ist das Problem? Die ungerechte Bezahlung, die nicht nur von mir ständig thematisiert wird? Schön, dass das immerhin erkannt wird. Aber dass Frauen in den Berufen schlecht verdienen, da gibts kein Problem? Es ist erst ein Problem, wenn es Jungs betrifft? Warum wird das Problem nicht da kritisiert, wo es verursacht wird, nämlich an der gesellschaftlichen allgemeinen Wertevorstellung von Arbeit?

Es ist schon faszinierend, das immer wieder zu beobachten. Unsere armen Kinder werden in Erziehung und Bildung ja alle zwangsvergendert, durch zuviel feministische Beeinflussung verdorben und verunsichert, weil eben hauptsächlich Frauen in solchen Berufen tätig sind. Aber Männer sind kurioserweise auch nicht bereit, selbst initiativ zu sein und Berufe zu ergreifen, in denen sie für Kinder in Erziehung und Bildung ein männliches Vorbild geben können.
Weiter wird sich neidvoll beschwert, Frauen würden sich nur bequeme, gemütliche, klimatisierte und fingernagelfreundliche Quotenjobs suchen, während Männer ins Bergwerk, in die Kanäle und die Müllabfuhr gezwungen werden. Männerfeindlich sei das alles, und Frauen sollten endlich mal aufhören, über Lohndiskriminierung zu jammern, sondern anfangen und lernen, was richtige Arbeit ist.
So, und nun kommt die Möglichkeit, einen Blick in die Realität typischer Frauenberufe, fern antifeministischer Vorurteile zu werfen und schon ist da nix mehr mit Neid auf Frauenjobs. Dann ist es auf einmal Diskriminierung, typische Frauenarbeit vorzustellen. Weil dann auf einmal das gesehen wird, was sonst ignoriert wird: dass die Arbeit, die Frauen in diesen Berufen so schlecht bezahlt leisten, auch verdammt harte Arbeit ist.

Lohnungerechtigkeit

Nein, werte Mitlesenden, ich werde hier nicht über 23% Lohndiskriminierung berichten, keine Panik. Ich möchte das Thema von einer anderen Sicht beleuchten. Und zwar aus der Sicht der geschlechtertypischen Berufe. Wie werden die verschiedenen Anforderungen, Leistungen und Gefahren bewertet und honoriert?

Ein Fakt ist, dass die hauptsächlich von Frauen gewählten Berufe generell wesentlich schlechter entlohnt werden. Ein Grund dafür soll angeblich sein (hab ich mal gelesen), dass Frauen sich eher auf bestimmte Berufssparten konzentrieren, was zu einer Überrepräsentation an Arbeitnehmern in diesen Berufen führt. Folge:  das Lohnniveau sinkt. Ist eigentlich eine einfache marktwirtschaftliche Logik. Aber richtig und gerecht ist sie dadurch natürlich nicht. Und wirklich stimmen tut das so auch nicht. Denn in kaufmännischen Berufen (eine der beliebtesten Berufsgruppen, übrigens auch bei Männern) sind wesentlich mehr Frauen beschäftigt als in Gesundheits- oder sozialen Berufen. Nach oben genannter Logik dürften die Büroangestellten dann entsprechend wesentlich weniger verdienen als die im Sozial- und Gesundheitswesen tätigen. Dem ist aber nicht so. Die Erklärung, dass ein Überangebot an Arbeitnehmern zum Lohndumping führt, und ein Arbeitskräftemangel demzufolge höhere Verdienste bedeuten müßte, ist zwar marktwirtschaftlich gesehen nachvolziehbar, scheint aber hier dennoch nicht der Realität zu entsprechen.

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