Warum die Aussage „ich bin keine Feministin, weil ich Männer liebe“ verlogen ist

„Die hasst Männer“. Eine Aussage, die Frauen, insbesondere Feministinnen, regelmäßig hören. Natürlich hassen wir alle Männer. Das wissen wir inzwischen. Danke für die Aufklärung.

Es gibt viele Frauen, die auf derartigen Unsinn mit Verteidigungen reagieren und betonen, wie sehr sie Männer lieben. Auch und besonders Antifeministinnen nutzen das natürlich für sich, um sich von den so verhassten Feministinnen abzuheben. „Ich bin nicht so eine. Ich liiiebe Männer!“. Es gab mal einen Hashtag auf Twitter, der sich „womenagainstfeminism“ nannte (habe ich übrigens hier auseinandergenommen). Eins der Haupt“argumente“ war origineller- und überraschenderweise sinngemäß: „ich brauche keinen Feminismus, weil ich Männer voll supertöfte finde“, in diversen Formulierungen.

Ich halte das für sehr verlogen. Warum? Weil es schlicht nicht stimmt, wenn man nicht Mutter Theresa heißt.

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eine Antifeministin beleidigt namenlos in der Hoffnung, es merkt keiner :)

Antifeministen sind ja immer wieder für ein Amüsement gut. Diesmal hat sich wieder die Figur „Anne Nühm“ ein Stelldichein gegeben.

Worum gehts? Sie hat einen Artikel verfasst, der zunächst mit nebulösen Andeutungen beginnt und keiner so recht ahnen kann, was das werden soll. Sie wolle keine Namen nennen oder irgendwas verlinken.

Im Laufenden Text wird allerdings ziemlich klar, dass sie mich meint, denn sie zitiert konkrete Beleidigungen, die sich auf mich beziehen von „von ihr geschätzten Kommentatoren“.

„Von von mir geschätzten Kommentatoren wurde ihr auf anderen Blogs das „intellektuelle Niveau einer Grundschülerin“ und Nervigkeit aufgrund „beiläufiger Selbstgefälligkeit und Einfältigkeit“ bescheinigt.“

Ersteres kam von Psycho David (Screen ist hier verlinkt), der ohne Beleidigungen bekanntermaßen eh nichts auf die Reihe bekommt, wenn ihm widersprochen wird, zweiteres von @sevens2 auf Margrets Blog in ihrem letzten Artikel.

Ihre anonyme Darstellung bar jeder Belegquellen hält sie für „fairer als mein hinterhältiges Vorgehen“. Was sie da konkret meint, lässt sich erst später erahnen, da sie einen Artikel anspricht, in dem ich sie verlinkt habe um zu zeigen wie sexistisch sie tickt, und in meiner „gewohnten Manier über sie herzog“. Was sie konkret zu beanstanden hat, lässt sie leider unklar. Dass ich sie verlinkt habe, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann? Ich will mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber das ist nun wirklich ein Vielfaches fairer als haltlose Andeutungen ohne jeden Bezugspunkt, die keiner prüfen kann. Aber was solls. Sie spielt halt ein bisschen die Beleidigte.

Dabei geht sie sogar noch weiter und unterstellt den Lesern meines Blogs, dass diese sich den verlinkten Artikel und die Kommentare nicht durchgelesen hätten

„Da es sich bei meinem ursprünglichen Blogeintrag um eine umfangreiche Lektüre handelt, wird sich kaum einer ihrer Leser die Mühe gemacht haben, ihn im Detail nachzulesen, um festzustellen, dass ihre Äußerungen völlig unzutreffend sind.“

Ich werde gleich noch darauf eingehen, wie man hingegen das Kommentarverhalten ihrer Leserschaft werten kann…

Kommentatoren meines Artikels werden sogar konkret beleidigt, natürlich wieder ohne Namensnennung (Ziel ihres persönlichen Angriffs war übrigens die geschätzte Robin)

„Für ihren Blogeintrag wurde der Person selbstverständlich sofort von ihrer Entourage sekundiert. So schwafelte etwa eine Langzeitstudentin eines bedeutungslosen Faches, die selbst noch nie etwas auf die Reihe bekommen hat, aber sich einbildet, meine berufliche Kompetenz beuteilen zu können, etwas von Dunning-Kruger-Effekt (worüber ich ob dieser von ihr unbeabsichtigten Rückbezüglichkeit denn doch laut auflachen musste). Schon bei meinem alten Eintrag war sie dadurch aufgefallen, besonders infantil-irrationale Äußerungen zu machen.“

Was in solchen Texten ja irgendwie nie fehlen darf, ist die Betonung meiner angeblichen Bedeutungslosigkeit. Das machen ja viele gern.

„Nun ja, ich werde solchen Leuten mit ihrer völligen Unfähigkeit zu einer differenzierten Sichtweise sicherlich nicht die Genugtuung geben, mich über ihr unmaßgebliches Gewäsch zu ärgern.“

Natürlich. Immerhin war ich wohl wichtig genug, überhaupt Thema eines Artikels zu werden🙂. Auch wenn mein Name feige verschwiegen wurde.

Und sie selbst hält sich auch noch für so bedeutend, dass sie mir unterstellt, ich hätte den Artikel bewußt zeitlich so gewählt, dass sie nicht drauf antworten kann.

„Es spricht für sich und ist bezeichnend, eine Veröffentlichung zeitlich so zu wählen, dass ich gerade dann nicht angemessen reagieren kann“

Da mußte ich doch jetzt ob dieser zur Schau getragenen Peinlichkeit wirklich sehr lachen. Für wen hält die sich, dass sie sich einbildet, es würde mich interessieren, WANN sie irgendwelche Texte liest oder drauf antwortet? Bisschen mehr Understatement wäre vielleicht angemessen. Madame „Nühm“, auch wenn Sie es gern so hätten, Sie sind nicht der Nabel der Welt.🙂

Aber jetzt noch etwas zum Text allgemein.
Das alles wäre nun tatsächlich eine kleine ignorierenswerte Nichtigkeit, die keines Blickes würdig ist, wenn man dahinter nicht eine nette Strategie sehen könnte. Einen derart unterkomplexen und lächerlichen Text über jemanden zu schreiben, weder dessen Namen zu nennen, noch irgendeinen konkreten Bezugspunkt oder Quellen zu nennen, sich in Beleidigungen auszulassen, in der Hoffnung, derjenige würde es nicht merken oder „keine Publicity bekommen“, wie sie es so schön formuliert.
Liebste „Anne“, das war ein Irrtum. Auf deine antifeministischen Freunde kann man sich immer verlassen. Die verlinken jeden Dreck. Auch deinen.🙂

Mit dieser Strategie macht man es sich natürlich auch sehr leicht, weil man sich komplett gegen Kritik immunisiert. Man könnte zwar noch die Hoffnung haben, dass wenigstens ihre Kommentatoren mal nachfragen „Moment, worum gehts eignetlich?“. Aber das scheint dort auch niemand hinbekommen zu haben. Das scheinen Lemminge zu sein, die ihr aus der Hand fressen und alles schlucken, was einfach behauptet wird. Tenor: „ich weiß zwar nicht worum es geht, aber du wirst schon recht haben“

Bloggeburtstag

Huch, heute ist ja ein besonderer Tag. Mein kleines gepflegtes Freizeit-Baby wurde heute vor 6 Jahren geboren.
Ein Grund, mal wieder meiner kleinen, aber sehr feinen und treuen Stammleserschaft für viele interessante Diskussionen und Gedankenanregungen zu danken.
🙂

Maskulist: „ALLE materiellen Transfers laufen in dieser Gesellschaft nur in eine Richtung: VOM Mann ZUR Frau.“

Vor einiger Zeit fand hier eine Diskussion zum Thema „Abteibungsrecht für Männer“ statt. Dort hat sich ein User namens @crumar eingemischt, der in einem Kommentar folgende Aussage fallen ließ:

„denn die materiellen Transfers in diesem Land gehen *immer* in eine Richtung – *vom* Mann *zur* Frau.“

Und kurz danach gleich noch mal wiederholt:

„ALLE materiellen Transfers laufen in dieser Gesellschaft nur in eine Richtung: VOM Mann ZUR Frau.
Und das schon seit mehreren Jahrzehnten.“

Diese Aussage rief natürlich einigen Widerspruch hervor.
Für mich gab es keinen Zweifel daran, dass diese doch sehr absolut und auf primitivsten antifeministischen Niveau gehaltene Aussage die Behauptung impliziert, dass Frauen generell

1. keiner steuerpflichtigen Erwerbsarbeit nachgehen
2. keinen einzigen männlichen H4-Empfänger, geschweige denn einen Partner mitfinanzieren, oder Unterhaltszahlungen leisten
also 3. ausschließlich auf Kosten von Männern leben, also schmarotzen

Dafür spricht die eindeutige Wortwahl „alle“, „immer“, „nur“. Eine „Argumentation“, die mir nur allzu bekannt vorkommt. So wurde schon vor etlichen Jahren im gelben Hetzforum über Frauen hergezogen.

Keine Frage also für einen normal denkenden Menschen, dass diese Aussage so völlig unsinnig und frauenfeindlich ist.

Eine Stellungnahme von @crumar dazu gab es nie.

Nun ergab eine interne Unterhaltung mit einem anderen Kommentator die Frage, ob das nicht auch anders gemeint sein könnte, als es da wörtlich gesagt wurde. Ich wüßte nicht, wie man eine so eindeutige Aussage verwässern und verharmlosen kann, ohne sie inhaltlich zu verdrehen. Meiner Meinung nach tritt hier eine gewisse Grundhaltung zutage, die durchaus frauenfeindlich genannt werden kann.

Da @crumar sich dazu aber nicht mehr geäußert hat, gebe ich ihm auf Empfehlung besagten Kommentators in der internen Unterhaltung (ebenfalls ein Maskulist übrigens, nicht dass jemand auf die Idee kommt, zu behaupten, ein Feminist hätte mich aufgehetzt, @crumar hier vorzuführen, ich kenn ja meine Pappenheimer…) hier noch mal die Möglichkeit, dazu etwas zu sagen und den Eindruck den er hinterlassen hat, zu revidieren. Oder bleibt er bei dieser Aussage so wie sie da steht? Ich habe keine Kontaktdaten von ihm, bin mir aber fast sicher, irgendeiner der hier fleißig mitlesenden Maskulisten und Antifeministen werden ihn darauf aufmerksam machen.

Bin gespannt, ob dazu noch mal was kommt.

In der Vergangenheit wühlen – je nach Geschlecht erlaubt oder nicht

Anne Wizorek hat in ihrem aktuellen Artikel ein paar Fragen zum Fall Lohfink gestellt. Eine greife ich mal raus.

Warum ist es nicht relevant, dass einer der Männer in der Vergangenheit durch ähnliche Taten aufgefallen sein soll?

Auf einem Antifem-Blog hat man eine glorreiche Antwort darauf gefunden:

„Wenn man zwei Absätze vorher postuliert, dass die Vergangenheit der Angeklagten Lohfink nicht relevant sein sollte, ist das eine äußerst merkwürdige Frage. Aber was bei Frauen auf gar keinen Fall sein darf, nämlich das Herumrühren im Vorleben, denn das ist ja „slut-shaming“, das geht bei Männern natürlich problemlos.“

Hat dabei wohl allerdings einen wichtigen Unterschied „übersehen“.

Während Lohfinks „schlimme Vergangenheit“ darin besteht, sich medienwirksam ins Rampenlicht zu stellen, damit aber niemandem geschadet hat (obwohl sie ja darum per se schon mal kein Opfer sein kann, darum mußmußmuß immer und immer wieder betont werden was das für ne Schlampe ist…), geht es bei dem jungen Mann darum, dass er bereits bei anderen Frauen übergriffiges Verhalten gezeigt haben soll. Ein winzig kleiner Unterschied, den man im Eifer des Gefechts schon mal vernachlässigen kann. Allerdings halte ich den Punkt ja für wesentlich relevanter. Aber was weiß ich schon.
Besagter Kommentator zieht eine künstliche Grenze zwischen den Geschlechtern („was bei Frauen nicht sein darf, geht bei Männern“), statt darauf zu achten, wie sich das Verhalten konkret unterscheidet.

Insofern ist Wizoreks Frage natürlich völlig berechtigt. Aber das darf man ja nicht sagen. Wenn das Gericht festgestellt hat, dass Lohfink schuldig ist, dürfen keine kritischen Fragen mehr gestellt werden, klar.

sexistische Einstellungsverfahren – je nach Geschlecht erlaubt oder nicht

Mal eine kurze Anmerkung nebenbei.

Das mit den Quoten bei Einstellungsverfahren ist ja immer so eine Sache. Was wird immer, wenn Frauen bei gleicher Qualifikation ggü Männern bevorzugt eingestellt werden sollen, Zeter und Mordio geschrieen. Erst recht, als irgendwo gesagt wurde, dass Frauen irgendwo angeblich trotz geringerer Qualifizierung bevorzugt eingestellt werden sollen. Antifeministen sehen hier immer – na was? Männerdiskriminierung!!! Aber warum? Obliegt es nicht der Entscheidung eines Personalers, sich die gewünschten Mitarbeiter für die Stelle auszusuchen?

Die sexistische Einstellungspolitik, die „Anne Nühm“ vor einiger Zeit recht offenherzig beschrieb, nämlich qualifizierte Bewerberinnen für eine bestimmte Stelle gar nicht erst einzuladen, einfach weil sie Frauen sind, (offizielle Ausrede, weil sie es halt weder können, noch wirklich wollen, weil wegen Natur und so) wird immerhin als legitimes Recht eines jeden Arbeitgebers akzeptiert. Nachzulesen, wie glasklar der Sexismus nachgewiesen, und wie geschmeidig sie von der Userin @Aurelie an die Wand argumentiert wurde, hier (Unbedingte Leseempfehlung! Die Geduld von @Aurelie, mit Fakten gegen dumpfen Sexismus zu argumentieren, ist bemerkenswert).

Also was jetzt. Ist es nun das Recht eines jeden Arbeitgebers, einzuladen und einzustellen, wen er will, oder nicht? Entscheidet euch mal.

#Fettlogik – Die zweite Zeit danach

Vor etwas mehr als einem Jahr schrieb ich über meine ersten Erfahrungen mit meinen Ernährungsumstellungen nach der Lektüre von Nadja Hermmans Buch „Fettlogik überwinden“. Damals war ich beeindruckt von der Logik der Gewichtskontrolle, die, einfach und lebensnah dokumentiert, mit simpler Mathematik nachvollziehbar wurde. Und auch wenn ich damals wie heute kein Freund des Kalorienzählens war und bin, habe ich es auf dem Weg versucht und konnte schließlich auch Erfolge verbuchen. Irgendwann wurde ich dann etwas nachlässiger, schrieb nicht mehr alle meine Mahlzeiten auf und schätzte meinen Konsum lediglich unter der vermeintlichen Gewissheit „wird schon passen“. Ich dachte, „du isst täglich Gemüse, genießt deine kleinen Sünden nur ab und zu, hast einige Dinge konsequent umgestellt, bewegst dich regelmäßig, also was soll diese lästige Zählerei“. Dann kam Weihnachten, Ostern, Urlaub. Wie kann man in den schönsten Zeiten des Jahres, die man genießen soll, an all den Verführungen vorbeilaufen? Das schaffte ich nicht. Asche auf mein Haupt. Wenn jemand praktische Tipps dafür hat, immer gern her damit.

Und so kam es wie es kommen mußte. Ich nahm wieder zu. Der gute alte Jojo-Effekt. Nicht das komplette Gewicht das ich bis dahin verloren hatte, aber doch genug, dass es für mich irgendwann spürbar störend war.
Das ärgerte mich deswegen so, weil ich während meiner Umstellung nicht gelitten habe, keinen quälenden Hunger hatte und endlich mal wieder richtig satt sein wollte. Ich war einfach zu faul geworden, mich selbst konsequent zu beobachten und zu kontrollieren.

Daher mein 2. Resümee: schätzen funktioniert nicht!

Das sogenannte intuitive Abnehmen, was ich als optimal für mich angenommen hatte, war eine grobe Fehleinschätzung. Man ignoriert kleine Happen zwischendurch, unterschätzt Essensmengen, überschätzt seine tägliche Aktivität.
Wenn man jahrelang das hat, was man im allgemeinen Sprachgebrauch einen „gesunden Appetit“ nennt, stellt man nicht von heute auf morgen seine Gewohnheiten mal eben um. Das muß sehr bewußt passieren.

Es fing damit an, dass mich Kollegen und Freunde ansprachen. „Hast du wieder zugenommen?“. Ich winkte ab und dachte, „ach komm, 1 oder 2 Kilo“. Auf die Waage ging ich nicht mehr regelmäßig. Vermutlich wußte mein Unterbewußtsein schon genau, was die Uhr geschlagen hatte. Ich traute mich schlicht nicht, die Zahl auf der Waage zu sehen. Aber, und das hatte ich schließlich gelernt, eine Umstellung beginnt mit der Wahrnehmung der schonungslosen Realität.

Das Problem, warum ich damals nachlässig wurde, lag auch darin, dass ich zwar die Komplimente meiner Umwelt vernahm, und die Veränderungen auf der Waage sah, aber nicht in meinem Spiegel. Ich hatte das Gefühl, dass sich optisch gar nichts verändert hat, also sah ich auch keine Veränderung, als ich wieder zunahm. Ich hatte auch solche Gedanken wie „ok jetzt bist du schlank, also kannste auch noch die Pizza essen“. Ich hatte einfach eine völlig verdrehte Wahrnehmung von meinem Körper und schätzte mein Essverhalten immer noch falsch ein. Und das, obwohl der Schalter im Kopf längst umgelegt war. Dachte ich. So meine bittere Erkenntnis.

Also fing es wieder von vorn an. Ab auf die Waage. Kalorien-App runtergeladen, Bedarf ausgerechnet. Bewußteres Einkaufen. Kleinere Portionen. Aufhören zu essen, wenn ich satt bin. Mahlzeiten konsequent notieren.

Dank meiner ersten Erfahrungen vor einem Jahr habe ich jetzt den Vorteil, nicht gleich ungeduldig zu werden. Im Gegenteil bin ich sogar noch motivierter. Ich hatte es schon mal geschafft, mit Willen und Disziplin eine nicht geringe Menge an Gewicht zu verlieren (die 3,5 kg von denen ich im letzten Artikel so stolz berichtet habe, waren ja nur ein erstes Etappenziel. Insgesamt waren es am Ende fast 10 kg), also schaffe ich es noch mal.

Tschaka!🙂

(Ach ja, es sind schon wieder fast 2 kg runter🙂 )

Intellektuelle Bankrotterklärung: die Hässlichkeitskeule

Ein interessanter Text ist auf watson.ch erschienen. Stefanie Sprengnagel macht sich dort ein paar sehr lesenswerte Gedanken zu einem der unzähligen, ähm… eher mittel intelligenten antifeministischen Mythen der angeblich so häßlichen Feministinnen bzw linken Frauen. Zitate dazu gibt es Dutzende. Ein paar Beispiele findet man im Text:

«Der Feminismus ist der Kommunismus der Frauen, die unter der Tatsache ungleich verteilter Schönheit leiden.»

«Dass die meisten hässlichen Frauen links sind, ist nicht grundlos. Schliesslich hoffen sie, dass wenigstens ein verzweifelter Migrant bei ihnen drüber geht. Bevorzugt Moslems, die verwenden eine Burka und einigermassen gut ist.»

–ŸŸ «Adipöse Linksfrustlerin.»
– «Hässliche Schlampe.»
– «Hässlichkeit begleitete einen eben ein ganzes Leben lang.»
– «Kein Wunder, wer so hässlich ist, braucht sich nicht mal vor notgeilen Rapefugees zu fürchten.»
– «Nur weil du so unattraktiv bist, musst du nicht permanent andere Leute anekeln.»
– «Pfui Teifl, ist die Frau ekelhaft … bitte schlagt ihr in die Fresse, das wird alles besser machen.»

(Auf ihrer Facebook-Seite hat sie dazu eine kleine Sammlung gelistet)

Charles Bukowski sagte: „Feminismus existiert nur, um hässliche Frauen in die Gesellschaft zu integrieren“
Rene Kuhn, ehemaliger SVP-Präsident bezeichnete linke Frauen als „zerlumpte Vogelscheuchen“.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Feminismus und/oder „Links“ mit fehlender Attraktivität in Verbindung zu setzen, hat ja eine lange Tradition. Nicht nur als spinnertes Randphänomen irgendwelcher antifeministischer und/oder rechter Hohlköpfe, sondern durchaus sehr breit gefächert durch die Gesellschaft gezogen.

Das Prinzip funktioniert einfach: Willst du eine unbequeme Frau angreifen und kleinmachen, triff sie dort, wo es ihr gefälligst am meisten zu schmerzen hat – bei ihrer Attraktivität. Das ist es schließlich, worum Frauen sich am meisten sorgen. Attraktiv auf andere zu wirken. Eine Frau, der die Attraktivität abgesprochen wird, hat ihre Würde als Frau verloren. Es beschämt sie so sehr, dass sie für immer den Mund hält und sich zurückzieht. Zumindest so der heimliche Wunsch. Hinter dieser Denke ist ein ziemlich sexistisches Weltbild verankert. Die einzige Aufgabe einer Frau ist es, schön zu sein. Erfüllt sie diese Aufgabe nicht, hat sie verloren. Und weil man sie so am besten demütigen kann, wird sie der Einfachheit halber darauf reduziert. Sie schreibt Gedichte? Arbeitet in der Krebsforschung? Repariert Autos? Kann toll singen? Pflegt Menschen gesund? Engagiert sich ehrenamtlich? Ist Unternehmerin? Hat 5 Kinder groß gezogen? Steht im Guinnesbuch der Rekorde? Sie leistet einfach irgendwas tolles im Leben, das unabhängig ihres Aussehens funktioniert? Egal, sobald sie Feministin oder links ist. Sie in irgendeiner Kompetenz zu kritisieren, würde voraussetzen, sich damit zu befassen. Einfach „häßlich!!“ zu schreien, geht auch ohne jede Ahnung von irgendwas.

Leider hat das Prinzip auch einen Nebeneffekt. Es nutzt sich ab. Nicht dass die Häßlichkeitskeule jemals ein Ersatz für Argumente war, aber je inflationärer sie eingesetzt wird, desto lächerlicher wird sie.

Dennoch verfehlen solche Angriffe natürlich nicht immer ihre Wirkung. Sprengnagel beschreibt es folgendermaßen:

«Du bist so hässlich» ist psychologische Kriegsführung. Das Argument, mit dem man zuverlässig jede Frau trifft. «Bodyshaming» und seine Untergruppe, das «Fatshaming», schmerzen, ganz einfach. Wer stark ist, schluckt’s runter, macht einen lustigen Spruch und hofft, dass es nicht aufstösst. Wer nicht so stark ist, wird essgestört.

Wenn das so stimmt, muß ich wohl verdammt stark sein. Mich sollten solche Auswürfe auch schon des öfteren treffen. Haben sie aber nie. Die einzige Wirkung, die bei mir eingetreten ist, ist wahlweise herzhaftes Lachen oder facepalmen. In jedem Fall aber die Gewissheit über die Dummheit desjenigen, der mich da treffen wollte. Zumal es bisher ausschließlich von irgendwelchen fremden Kommentatoren kam, die online natürlich leicht die Fresse aufreißen können, ohne die Person, über die sie da herziehen, auch nur ansatzweise zu kennen. Wenn das keine abgrundtiefe Dummheit ist, was bitte dann?

Aber nur weil mich das Phänomen nicht trifft, ist es natürlich trotzdem existent. Die Häßlichkeitskeule wird nach wie vor ungehemmt geschwungen, ungeachtet der Tatsache, dass sie weit mehr über den Lästerer aussagt als über die Person, die er treffen will. In dieser Hinsicht (nicht nur in dieser) sind die antifeministischen/rechten Keulenschwinger einfach völlig lernresistent. Vielleicht deswegen weil sie wirklich weder eigene Ideen für ihre Agenda, geschweige denn rationale Argumente haben, und deswegen auf die primitive Schiene ausweichen müssen. Die Hässlichkeitskeule als „psychologische Kriegsführung“, wie Stefanie Sprengnagel es in ihrem Text formuliert, ist schlicht eine intellektuelle Bankrotterklärung. Punkt.

#Gewalt in der #Pflege

Ich gehe eine Wette ein.

Jeder Einzelne meiner werten Leserschaft hatte beim Lesen des Titels ein bestimmtes Bild vor Augen.
Schlecht versorgte Pflegebedürftige in erbarmungswürdigem Zustand. Unterernährt, übermüdet, einsam, in Exkrementen liegend, übersät mit Hämatomen, umgeben von überforderten, gestressten oder unmotivierten Pflegekräften, die sich einen Dreck um das Wohl der Leute sorgen. Die sie anschreien, gewaltsam Essen reinstopfen oder es ganz bleiben lassen, Toilettengänge verweigern, Intimsphäre mißachten oder sogar schlagen. Gefundenes Fressen für Team Wallraff & Co und immer für einen Aufreger und eine Schlagzeile gut, wie scheiße die Pflege in Deutschland ist.

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„#Pöbelmaskulismus“ und „Werner Stahl“ – echtes Problem oder Hetze?

Der Text von Simon Hurtz über den „Pöbelmaskulismus“ hat einige Diskussionen ausgelöst, die ich mit teilweise amüsiertem Interesse verfolgt habe.
Bei Lucas Schoppe wurde dazu einiges kommentiert. Es wurde unter anderem vorgeworfen, dass der Artikel eine „Hetzpropaganda“ sei, weil er sich an radikalen Vertretern wie „Werner Stahl“ aufhänge, was gängige Ängste und Vorurteile bestätigen würde. In mehreren Äußerungen wurde die Existenz von „Werner Stahl“ sogar schlicht geleugnet. Dass „Werner Stahl“ tatsächlich existiert, und lediglich der Name geändert wurde, wurde von Herr Hurtz bereits erklärt.

Da sich die beginnende Diskussion dazu dazu in meinem anderen Themenstrang zu einem eigenen Thema zu entwickeln scheint, führe ich das mal gesondert hier fort:

Ich habe selbst damit begonnen, den Hurtz-Artikel um die Pöbelmaskulisten zu thematisieren:

„Worüber ich mich gewundert habe, ist eher, warum Einzelfälle, über die Frau Simon berichtet als etwas bezeichnet werden, „was jeder Mann seit 10 Jahren kennt“, also zur Allgemeinheit erhoben wird, aber die Existenz frauenfeindlicher Idioten wie „Werner Stahl“, die sich nun mal zweifelsfrei im Antifeminismus tummeln, angezweifelt wird. Da ist von „Strohmännern“, „Scheinriesen“, oder gar „Erfindung“ die Rede. Ich kann dir entgegenhalten, dass solche „Werner Stahls“ so ziemlich jeder Frau und jedem Mann bekannt sind, die es wagen, sich profeministisch zu positionieren (und ich unterstelle, auch jedem Maskulisten, der nicht völlig blind durch die Welt zieht). Aber im Gegensatz zu Frau Simon ist Herr Hurtz in seinem Pöbelmasku-Artikel wenigstens so ausgewogen, die Sache nicht nur einseitig zu betrachten. Unterm Strich hast du also Recht. Der Hurtz-Text ist keine reine Schimpftirade (denn das ist ein Rant eigentlich), sondern wie du schon gesagt hast, eine „überspitzte, im Kern aber schon korrekte und im Rahmen der journalistischen Ermessensspielräume zulässige Darstellung des Themas“. Was daran jetzt Problem ist, sehe ich aber nicht. Ist es vielleicht nicht genehm, die Schattenseiten des Maskulismus zu beleuchten? Ist Maskulismuskritik etwa ganz allgemein nicht erlaubt? Ich finde diese Beobachtungen interessant und eigentlich eines eigenen Artikels würdig, denn hier geht es etwas am Thema vorbei. Mal schauen.

Amüsiert haben mich aber die Spekulationen, wie ich wohl andere Texte bezeichnen würde. Aber lassen wir das…

Und daß der Text zugespitzt formuliert, ist eben dem Unterhaltungsfaktor geschuldet und gut fürs Clickbaiting.

Das scheint ja beim Pöbelmasku-Text hervorragend funktioniert zu haben, wenn man sieht, wie sich Maskulisten und Antifeministen darüber empören und so gar nicht wahrhaben wollen, dass diese „Werner Stahls“ in ihren Reihen existieren.“

Und @ mitm anwortete darauf:

„Beim Hurtz-Papier ist dies völlig anders. Nach meiner Erinnerung zitiert er überhaupt keine Statistik, die die Häufigkeit der Werner Stahls seriös benennen würde, ich kenne auch keine (und bezweifle, daß es eine gibt. Rosenbrock et al. sind keine seriösen Analysen). Werner Stahl ist keine Veranschaulichung trockener Fakten, er ist selber das Faktum, das sich ein Leser zusammenreimt. Die Botschaft, die beim Leser ankommt, hat keine Grundlage, insofern erfindet das Hurtz-Papier das unbewiesene Faktum, Werner Stahl sei ein typischer, repräsentativer Masku.

„…ist Herr Hurtz in seinem Pöbelmasku-Artikel wenigstens so ausgewogen, die Sache nicht nur einseitig zu betrachten“

Von ausgewogen kann keine Rede sein, s. hier meine quantitative Textanalyse.

„Ist es vielleicht nicht genehm, die Schattenseiten des Maskulismus zu beleuchten? Ist Maskulismuskritik etwa ganz allgemein nicht erlaubt?“

Nein, ist erlaubt, und Kritik finde ich sogar gut, wenn was dran ist, kann man nur besser werden. Aber eine so einseitige Darstellung sollte dann auch die Überschrift haben „Die Schattenseiten des Maskulismus“ und nicht so tun, als sei sie ausgewogen. Wenn ich einen Text a la Hurtz über den Feminismus schreiben würde, würde ich 60 % über Solanas mit eine Reihe von Zitaten aus dem SCUM-Manifest schreiben und dann am Rande noch mal 2 Klassiker zitieren, und natürlich #killallmen – das wäre komplett unseriös.

„… so gar nicht wahrhaben wollen, dass diese „Werner Stahls“ in ihren Reihen existieren.“

Das ist den meisten Leuten, mit denen ich in der Blase rund um genderama und alles evo. Kontakt habe, sehr genau bewußt, und man vermeidet jeden Kontakt zu den Werner Stahls. Die Existenz dieser Stahls streitet niemand ab.

Wir hatten uns übrigens vor rund einem Jahr schon mal darüber unterhalten, ob es Sinn macht, bevorzugt auf die Extremfiguren der anderen Seite zu fokussieren – nein – das bringt nichts. U.a. die damalige Diskussion mit Dir und Margret sind ein Grund, warum mir der Hurtz-Text so sauer aufstößt.“

Jetzt also hier weiter.

@ mitm

Werner Stahl ist keine Veranschaulichung trockener Fakten, er ist selber das Faktum, das sich ein Leser zusammenreimt.

Ein Leser hat sich Werner Stahl zusammengereimt?

Nein, ist erlaubt, und Kritik finde ich sogar gut, wenn was dran ist, kann man nur besser werden.

Und wo was dran ist, bestimmt wer? Diejenigen, die niemals Begegnungen mit irgendwelchen Werner Stahls hatten und darum deren Existenz negieren und leugnen? Auch ich selbst hätte zu Hurtz‘ Recherche noch einige gespeicherte Kommentare von Hatern des Schlages Stahl beisteuern können, die mir hier hinterlassen wurden. Aber klar, wer sich mit sowas nie rumschlagen mußte, darf natürlich daran zweifeln, dass es das tatsächlich in nennenswerter Form gibt, und dass das ein Problem sein könnte. Man sollte aber sinnvollerweise besser denen glauben, die ihre Erfahrungen gemacht haben, meinst du nicht? „Was ich nicht kenne, gibts nicht!“ war noch nie ein ernstzunehmendes Argument.

Wenn ich einen Text a la Hurtz über den Feminismus schreiben würde, würde ich 60 % über Solanas mit eine Reihe von Zitaten aus dem SCUM-Manifest schreiben und dann am Rande noch mal 2 Klassiker zitieren, und natürlich #killallmen – das wäre komplett unseriös.

Witzig. Das passiert doch ohnehin dauernd. Und schon weit länger als das Thema in der SZ aufgegriffen wurde. So dauernd, dass es mich längst langweilt. Aber eine antifeministische Extremfigur zu beleuchten, ist dann plötzlich unerhört und „Hetzpropaganda“. Na sowas.

Die Existenz dieser Stahls streitet niemand ab.

Das ist nicht wahr. Es gibt mehrere Äußerungen, dass Hurtz‘ Darstellung für „nicht glaubwürdig“ und Stahl für eine „Erfindung“ gehalten wird. Andere Äußerungen gehen in die Richtung, dass das alles ja sicher nicht ernst gemeint sei. Insgesamt wird also schlicht geleugnet, dass es Menschen da draußen gibt, die den Maskulismus für sich in einer Weise beanspruchen, die menschenverachtend ist. Aber ich sehe zum Glück auch andere Stimmen, die immerhin einräumen, dass Personen wie Stahl durchaus ein Problem sind, wie @ chrima, der da in den Kommentaren bei Schoppe sagt:

„Einer unter vielen Gründen für meinen Rückzug war, dass Leute wie dieser Stahl (mag er nun tatsächlich existieren oder nicht) im Begriff waren die „Masku-Szene“ zu dominieren und einstmals durchaus lesenswerte Foren (ja auch wgvdl gehörte einmal dazu) zu übernehmen.
An Typen wie diesem Stahl herrscht leider kein Mangel.

Eigentlich ein gutes Zeichen, wenn heute einige bezweifeln, dass es diese „Stahls“ gibt und dass sie es Ernst meinen könnten.
Mann sollte aber nie vergessen, dass es sie gibt und sie in ihrer destruktiven Kraft nie unterschätzen.“

Du selbst bezeichnest den ganzen Artikel sogar als „Hetzpropaganda“, was nun wirklich maßlos übertrieben ist, wie sogar deine Maskulismusfreunde bestätigen. Sei ehrlich, dich ärgert doch nur, dass diese Seite des Maskulismus überhaupt öffentlich breit gemacht wird. Und darum lieferst du eine Milchmädchenrechnung darüber, wie gar schrecklich ganze 40% des Artikels Stahl galten. Weiterhin schreibst du:

„Bei den Kolleginnen aus der SZ-Redaktion erzeugt der Text vermutlich nur zustimmendes Nicken, weil er die sowieso vorhandenen Vorurteile bestätigt.“

Wie kommst du darauf, dass es nur Vorurteile sind? Vielleicht sind es auch handfeste Erfahrungen, die du nur einfach nicht kennst, weil du nicht betroffen bist?

Jeder Feministin darf man permanent unterstellen, dass Scum ihre heimliche Bibel sei, aber Maskulismus darf nicht danach bewertet werden, welche Irrlichter sich darunter tummeln? Höchst fragwürdige Einstellung. Sieh es einfach mal so: wer für sich beanspruchen will, dass Feminismuskritik erlaubt sein muß und im Rahmen dessen irgendwelche Extremfiguren hochstilisiert, muß auch akzeptieren, dass der Maskulismus eine ebensolche Kritik erfährt. Alles andere ist Heuchelei.