#EqualPayDay und „Frauenberufe“

Zum gestrigen Equal Pay Day sei auf einen großartigen Text von Aufrecht pflegen verwiesen, der es Wert ist, in Gänze zitiert zu werden, denn er weist auf ein Phänomen hin, das mich in seiner Unlogik immer wütend macht.

Equal Pay und die sogenannten Frauenberufe

Es ist wieder Equal Pay Day. Die Zeit im Jahr, in der wir Vorschläge diskutieren, wie die Lohnschieflage in Deutschland ausgeglichen werden kann.

Scherz! Natürlich werden wir wieder darüber diskutieren, OB es sich bei der allgemein bekannten Schieflage überhaupt um ein Problem handelt. Denn solange etwas gerechtfertigt werden kann, ist es keine Diskriminierung.

Ein Rechtfertigungsgrund für den Gender Pay Gap ist unter anderem die Berufswahl von Frauen. Denn würden Frauen sich nicht immer die falschen Berufe aussuchen, wäre die Lohngleichheit gar nicht so groß. Zu diesen Berufen gehören unter anderem soziale Berufe wie Pflegerin und Erzieherin. Und man wird nicht müde, in Equal-Pay-Diskussionen von genau diesen Berufen abzuraten. Und das trotz des derzeitigen Fachkräftemangels, der schon jetzt zu Problemen führt, einfach weil diese Berufe Tätigkeiten ausführen, die sowohl für den Einzelnen, als auch für die gesamte Gesellschaft notwendig und wichtig sind.

Und doch greifen in diesen Berufen die Angebot-Nachfrage-Mechanismen nicht. Was unter anderem auch damit zu tun hat, dass soziale Berufe meist in irgendeiner Form aus öffentlicher Hand bzw. dem Sozialsystem bezahlt werden und diese Ressourcen nicht unendlich sind. Das ist aber nicht der einzige Grund, schließlich gelten nicht alle Berufe im öffentlichen Dienst als schlecht bezahlt.

Ein weiterer Faktor ist, dass man die Tätigkeiten der Pflegerinnen und Erzieherinnen fachlich nicht als besonders anspruchsvoll bewertet. Erzieherinnen spielen und singen mit den Kindern, Pflegerinnen wischen Ärsche ab und geben Essen ein. Und Menschen, die nicht in diesen Berufen arbeiten, können sich offenbar kaum vorstellen, dass hinter einfachen Handgriffen komplexe theoretische Konzepte stecken, die dann aber auf eine einzelne Person mit individuellen Anforderungen angewandt und zugeschnitten werden müssen. Stattdessen glaubt man, dass diese Tätigkeiten irgendwie in der Natur von Frauen liegt und gebt ihnen den Stellenwert von Wohltaten: Nett, aber nicht notwendig.

Und dann ist da noch die weit verbreitete Vorstellung, dass es den Menschen in diesen Berufen nicht ums Geld ginge. Gerade der Pflege wird ja gerne eine ordentliche Portion Altruismus unterstellt, deren größter Lohn ein Lächeln und ein Dankeschön ihrer Patient*innen ist. Fast schon anerkennend verweist man immer wieder darauf, dass die Pflegenden (momentan) nicht mehr Lohn, sondern vor allem bessere Arbeitsbedingungen fordern. Anders sah es im Sommer 2015 aus, als flächendeckend Kitas bestreikt wurden – da verbreitete sich, neben der Wut über die Bedrängnis der Eltern, sehr schnell die Auffassung, dass Erzieherinnen eigentlich sogar überbezahlt wären.

In den Diskussionen über Equal Pay und Gender Pay Gap wird gerne und viel darüber gesprochen wie man Frauen in MINT-Berufe und Führungspositionen bringt. Was einerseits natürlich gut und richtig ist, aber andererseits auch das Bild der seichteren anspruchslosen Sozialberufen zementiert. Es braucht daher genauso Diskussionen darüber, wie Berufe in denen sehr viele Frauen tätig sind (und das sind übrigens nicht nur Sozialberufe) besser bezahlt werden, anstatt die niedrigen Löhne dort als gegeben hinzunehmen. Und dies wäre übrigens nicht nur ein Selbstzweck, schließlich geht es auch darum wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen und wieviel uns die Unterstützung und Förderung der Schwächeren in unserer Gesellschaft ist.

(Jeder Satz darf als hervorgehoben betrachtet werden)

Unlogik deswegen, weil regelmäßig, wie im Text betont, immer wieder das „Argument“ vorgebracht wird, warum Frauen sich die „falschen“ Berufe aussuchen, in denen sie weniger verdienen, und man sich gleichzeitig darüber wundert, warum diese Berufe so unattraktiv sind, dass wir einen massiven Fachkräftemangel zu beklagen haben.

Mit anderen Worten. Wer Frauen (und natürlich auch Männern) einredet, soziale Berufe seien eine „falsche Wahl“, trägt Mitschuld daran, dass unser gesamtes Gesundheits- und Pflegesystem noch weiter den Bach runtergeht. Angesichts der Tatsache, dass das Problem jeden irgendwann treffen wird, geradezu idiotischer Selbstmord. Statt also aus reiner Unwissenheit Mythen darüber zu verbreiten, dass „falsche Berufswahl“ Schuld an ungerechter Entlohnung sei, lieber darüber informieren, was soziale Berufe im Kern ausmachen und dafür kämpfen, dass sie so bezahlt, und in Folge dessen so attraktiv für BewerberInnen werden, dass es möglich ist, sie fachgerecht und menschenwürdig ausüben zu können.

#Blogparade – Kampf dem #Herztod

Ende letzten Jares gab es auf dem Blog Alltag im Rettungsdienst einen Blogaufruf, wo darum gebeten wurde, etwas zum Thema zu schreiben.

Inzwischen sind bereits einige tolle und informative Artikel erschienen. Und ich möchte hiermit meinen Senf draufschmieren. Nicht weil ich Betroffene bin, oder breitgefächerte Erfahrungen aus dem Rettungsalltag beisteuern kann, sondern weil ich festgestellt habe, dass ein Aspekt zum Thema Herzinfakt in meinen Augen bisher viel zu kurz gekommen ist.

Der Herzinfarkt galt lange als reines Männerproblem. Und wenn wir „Herzinfarkt“ hören, denken wir immer noch zuerst an Brustschmerzen, Atemnot, Ausstrahlung in andere Körperbereiche und kalten Schweiß. Ja, das sind typische Symptome, bei denen sofort reagiert werden muß, sprich Notruf absetzen. Es gibt aber auch eine Reihe ernstzunehmende unspezifische Symptome, die Frauen häufiger betreffen.

„Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch
Ein Herzinfarkt kann sich auch alleine mit so genannten „unspezifischen Anzeichen“ bemerkbar machen, was bei Frauen etwas häufiger vorkommt als bei Männern. Zu unspezifischen Anzeichen zählen z. B.: Übelkeit, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen. Da solche Beschwerden auch bei anderen harmloseren Erkrankungen auftreten können, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung immer dann den Notarzt zu rufen, wenn diese unspezifischen Beschwerden in zuvor noch nie erlebtem Ausmaß auftreten. Möglicherweise steckt dann ein Herzinfarkt dahinter.“

Auch „Rücken- oder Nackenschmerzen, Kiefer- und Halsschmerzen sowie Übelkeit und das Gefühl der Erschöpfung“ können bei Frauen Anzeichen eines Herzinfarkes sein.
Das für Männer typische Stechen in der Brust kommt bei Frauen also häufig gar nicht vor.

Wenn Symptome falsch gedeutet werden, bedeutet das, dass Menschen in Lebensgefahr kommen können. Wichtig und lebensrettend ist also, auch vermeintlich harmlose Symptome ernstzunehmen.
Wichtig sind natürlich auch die Risikofaktoren. Neben den bekannten Ursachen wie Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht ist auch die Pille bei Frauen ein Faktor, der einen Herzinfarkt begünstigen kann.

Der Herzinfarkt ist kein Männerproblem. Er gehört auch bei Frauen zu den häufigsten Todesursachen. Bei Frauen über 60 sogar häufiger als bei Männern. Also ist mein dringendes Anliegen, auch unspezifische oder untypische Symptome unbedingt ernst zu nehmen. Es könnte auch mal euer Leben retten.

Perspektivenwechsel

Im Geschlechtermatschblog ist heute ein Text erschienen, den ich ausnahmsweise mal hochinteressant finde, und daher auch mal als Lesetipp verlinke.
User Graublau berichtet aus seiner persönlichen Perspektive über seine Sicht auf die Entwicklung der Männerrechtler“szene“, die ich gar nicht verkehrt finde. Warum? Weil ich beim Lesen ein heftiges Dejavu hatte und deutliche Parallelen zu meinen eigenen Erfahrungen in der #Aufschrei-Diskussion gesehen habe.

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Antifeministische Heuchelei: Austeilen und Einstecken

Manchmal stöbere ich aus reiner Langeweile in antifeministischen Blogs herum. Einfach aus Neugier, welcher Unsinn mal wieder verbreitet wird, welche profeministischen Äußerungen von welcher Person auch immer diesmal im Fadenkreuz des Bashens stehen, welches ad personam- Getrolle mal wieder verteilt wird und welche Strohmänner mal wieder abgefackelt werden. Und natürlich werde ich dabei selten enttäuscht.

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„Was wär das geil, wenn man unbequeme Männer einfach mit einer Falschbeschuldigung beseitigen könnte“

Die antifeministische Blogwelt dreht wieder mal durch. Wer war diesmal daran schuld? Margarete Stokowski, die in ihrer Spiegelkolumne eine Antwort auf das Kachelmann-Interview der Taz gegeben hat.

Aber von vorn. Was ist passiert?

Kachelmann stellte in seinem Taz-Interview eine abenteuerliche Behauptung auf, nämlich, dass eine „Falschbeschudigung ein perfektes Verbrechen sei, um einen Mann aus dem Weg zu räumen, ohne selbst ein Risiko einzugehen.“

Darauf kann man nun auf diverse Arten reagieren.

Man kann es machen wie Margret, die in ihrem Blog diese Aussage schon gut auseinandergenommen hat.

Man kann es ignorieren, gut finden, den Kopf schütteln und sich fragen, welche Drogen Kachelmann genommen hat.

Oder man kann es machen wie Margarete Stokowski, die diese Aussage für bare Münze genommen, und schlicht logisch und folgerichtig weitergesponnen hat, um zu sehen, wo solche Gedankenverrenkungen hinführen können. Und sie kam zu der provokanten Frage: „Wenn es so wäre: Was hindert uns?“

Aua, da war was los! Sie würde „Straftaten begrüßen“, und sie sogar „empfehlen“, hieß es in mehreren Reaktionen.

Wie man darauf kommt, ist mir völlig schleierhaft, wenn man versteht, worauf Stokowski ihren Text bezieht. Sonst wird doch immer soviel Wert auf Kontext gelegt, in dem man eine Aussage, so bescheuert sie auch sein mag, sehen muß. Warum klappt das hier nicht? Es wird nur gelesen: „Was wär das geil, wenn man unbequeme Männer einfach mit einer Falschbeschuldigung beseitigen könnte“. Und natürlich kann das ja nur mega ernst gemeint sein und ist damit wieder ein krasser Beweis für … was auch immer.

Auf die Idee, dass Stokowski Kachelnmanns irrwitzige Behauptung durch konsequentes Weiterdenken völlig ad absurdum führt, kommt keiner?

Na sowas.

Feminismus und die Schönheit weiblicher Lust: #HystericalLiterature

Clayton Cubitt heißt der Erfinder des Videoprojektes „Hysterical Literature“, bei dem Frauen dabei gefilmt werden, wie sie aus einem Buch vorlesen und dabei – unsichtbar für den Zuschauer – sexuell stimuliert werden, bis sie zum Orgasmus kommen. Das Irritierende und gleichzeitig Schöne dabei ist, dass man nichts sieht außer der Mimik der Frauen bei steigender Erregung.

„Die Vorleserin sucht sich ihr Lieblingbuch aus, zieht an, worin sie sich wohl fühlt, setzt sich an einen Tisch und beginnt vorzulesen. Cubitt filmt in schwarz-weiß mit. Auf den ersten Blick wirkt alles sehr bieder, fast fade. Doch die Leserinnen reagieren ungewöhnlich. Nach einigen Sekunden oder Minuten werden sie unruhig, beginnen zu kichern oder verlieren den Faden beim Lesen. Der Grund: Unter ihrem Tisch sitzt jemand, der sie mit einem Vibrator ablenkt, bis sie zum Orgasmus kommen. Das sieht der Zuseher freilich nicht, er sieht nur das Ergebnis des Ablenkungsmanövers im Gesicht und der Körpersprache der Frau.“
http://www.heute.at/freizeit/szene/50-Mio-Klicks-Frauen-haben-beim-Lesen-Orgasmus;art23668,1139303

Mit herkömmlicher Pornografie hat das nichts zu tun, denn „in der kommerziellen Pornografie sind oft Schnelligkeit, Extreme und Effekthascherei wichtiger als der subtile Blick auf die weibliche Sexualität.

Die Darstellung der Frauen ist, anders als im Porno, nicht objektivierend, da hier weder der Körper noch die Penetration der Frau gezeigt wird. Schlicht ihre Mimik, ihre Reaktion und ihre Lust werden erforscht: „It explores feminism, mind/body dualism, distraction portraiture, and the contrast between culture and sexuality. (It’s also just really fun to watch.)“, schreibt der Künstler selbst über seine Arbeit.“
http://zeitjung.de/clayton-cubitt-hysterical-literature-vorlesen-orgasmus-video/

Was das ganze mit Feminismus zu tun hat, ist recht einleuchtend, wie ich finde, und wird im obigen Zitat deutlich. Weibliche Lust – und zwar natürliche, echte – steht im Fokus. Keine Akrobatik mit Großaufnahmen aller Löcher, kein künstliches Gequieke und Gegrunze, keine plastikartigen Kunstpuppen, kein Abspritzen und fertig. Nur originale weibliche Lust. Ist das nicht schön? 🙂

Gewalt, Notwehr, Rassismus

In meiner Twitter-TL ist folgender Tweet aufgetaucht.

Eine Frau wird von einem Mann grob in die Knie gedrückt. Sie reagiert, indem sie ihren Kopf mit voller Wucht in das Gemächt des Mannes rammt und dieser darauf vor Schmerzen zusammensackt.

Dazu stellten sich mir folgende Fragen. Ist das eine gewaltverherrlichende Situation? Wem gegenüber wird Gewalt ausgeübt? Oder stellt es eine Notwehrsituation dar?

+ Antworten darunter

Antworten bekam ich darauf nicht, mir wurde nur netterweise erklärt, dass „meine Ideologie realitätsleugnend sei, und ich ja nur in meinem Elfenbeinturm säße, während Polizei und Feuerwehr da draußen ihre Arbeit machen“. Was diese lustigen Behauptungen mit meinen Fragen zu tun hatten, weiß ich zwar nicht, aber ich danke trotzdem artig für die ausgesprochen nette Aufklärung.

Aber wie groß wäre wohl das empörte Aufkreischen unserer besorgten und antifeministischen Bürger, wenn es sich in der Animation nicht um einen farbigen Mann handeln würde, der Eiersalat in der Hose bekommt? Oder hätten es eher alle total witzig gefunden, wie doof die Frau aus der Wäsche guckt, als sie auf Knien seinen Lümmel vor Augen hat?

Ich frag ja nur…

Happy 2017!

Ich wünsche allen Lesern ein friedliches und gesundes 2017.
Ich wünsche der Welt weniger Hass, weniger Dummheit, weniger Terror, dafür mehr Toleranz, mehr Liebe, mehr gesunden Menschenverstand, mehr vernünftigen Feminismus. 🙂 Prost!
2017

2016 – das Jahr der großen Abschiede

Von diesen Persönlichkeiten mußten wir uns verabschieden.

Achim Menzel (69) 15.07.46 – 04.01.15
achim

David Bowie (69) 08.01.47 – 10.01.16
bowie

Roger Willemsen (60) 15.08.55 – 07.02.16
roger

Umberto Eco (84) 05.01.32 – 19.02.16
umberto

Peter Lustig (78) 27.10.37 – 23.02.16
peter-lustig

Guido Westerwelle (54) 27.12.61 – 18.03.16
guido

Roger Cicero (45) 06.07.70 – 24.03.16
rogercicero

Hans-Dietrich Genscher (89) 21.03.27 – 31.03.16
genscher

Prince (57) 07.06.58 – 21.04.16
prince

Uwe Friedrichsen (81) 27.05.34 – 30.04.16
uwefriedrichsen

Erika Berger (76) 13.08.39 – 15.05.16
erikaberger

Muhammad Ali (74) 17.01.42 – 03.06.16
muhammadali

Götz George (77) 23.07.38 – 19.06.16
goetz-george

Bud Spencer (86) 31.10.29 – 27.06.16
budspencer

Miriam Pielhau (41) 12.05.75 – 12.07.16
miriampielhau

Gene Wilder (83) 11.06.33 – 28.08.16
genewilder

Manfred Krug (79) 08.02.37 – 21.10.16
manfredkrug

Leonard Cohen (82) 21.09.34 – 07.11.16
leonardcohen

Fidel Castro (90) 13.08.26 – 25.11.16
fidel-castro

Zsa Zsa Gabor (99) 06.02.17 – 18.12.16
zsazsa

George Michael (53) 25.06.63 – 25.12.16
georgemichael

Carrie Fisher (60) 21.10.56 – 27.12.16
carriefisher

Mögen sie in Frieden ruhen.
trauerkerze

Eine Frage des Blickwinkels

Es gehört zu einem der größten Vorteilen als Mann, immer im Moment des Scheiterns die Schuld bei Frauen suchen zu können. Keine Karriere gemacht? Frauenquote war es schuld. Keine Frau/Familie abbekommen? Frauen haben zu hohe Ansprüche. Im Job kaputt malocht? Frauen fordern das so von Männern.

Ist auch völlig egal, ob diese Einschätzung von allen geteilt wird, Mann selbst glaubt das und bewältigt so nie wirklich zu 100 Prozent eigenes Scheitern. Wie bequem ist’s doch, andere dafür verantwortlich zu machen.

Bei Frauen ist’s vollkommen illusorisch. Jede Frau scheitert als Frau und nicht, weil sie Frau ist. Dieser Splitter ist so riesig im Maskulismus. Das ist unfassbar. Jede Kritik an Männern ist männerfeindlich. Jedes Scheitern von Männern ist männerfeindlich. Jede kritische Darstellung von Männern ist männerfeindlich.

Maskulismus ist Ausdruck hyperfragiler Maskulinität, die eben außer ihrer Geschlechtlichkeit, welche sie immer überbetont, nichts Identitätsstiftendes anbieten kann. Nichtmaskulistische Männer sind gefestigter. Die beziehen ihre Identität z.B. aus sinnlicher Beziehung zu Frauen oder z.B. durch Kinder. Maskulisten zeichnen sich durch die Abwesenheit dieser beiden Merkmale überwiegend aus.

Ihnen bleibt nichts als ihr Mannsein. Und daher nimmt ihr Mannsein auch so einen hohen Stellenwert ein. Es muss die die innere Leere füllen. Eigentlich traurig.

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Stop erstmal. Wenn du bis hierhin durchgehalten hast: Glückwunsch.

Jetzt sei einen Moment geduldig mit dir selbst und überlege, welche spontane Reaktion in dir beim Lesen hochkam.

Findest du, dass das ein zutiefst männerfeindlicher Text ist? Hattest du das Bedürfnis, deine Empörung über meine schlimme Männerfeindlichkeit in die Tasten zu hauen? Wolltest du diesen Text kopieren und ihn in irgendwelchen Antifemblogs deinen Brüdern im Geiste zum Fraß vorwerfen?

Bitte. Tu das ruhig. Aber sei dir im Klaren, dass dieser Text im Original in einem anderen Kommentarstrang erschienen ist, und zwar exakt so, nur mit umgekehrten Mann/Frau-Vorzeichen. Und in diesem Original wurde dieser Text keineswegs als frauenfeindlich bewertet. Von niemandem.

Und jetzt komme mir nach dieser Aufklärung bloß keiner mit der Ausrede an, dass obiger Text ja überhaupt nicht schlimm sei, und es daher auch am Originaltext nix zu kritisieren gäbe. Wenn ich daran denke, welche antifeministischen Hysterien mir schon für weit harmlosere Texte entgegengeflogen sind…

Es ist halt so. Den eigenen Splitter im Auge sieht man nicht, wenn man nur damit beschäftigt ist, auf andere zu zeigen. Anderen die Feindseligkeit vorzuwerfen, die man selbst zutiefst verinnerlicht hat, ist ein Problem so alt wie die Menschheit. Ein wenig mehr Reflexionsvermögen wäre angesagt.